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Frauen sollten mehr EU-Missionen leiten.

Gastbeitrag

Lasst Frauen führen

  • vonPatricia Kruse
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Mehr Frauen können zum Frieden beitragen: Sie müssen endlich mehr Missionen der EU leiten.

Der Anteil von Frauen in Führungspositionen ist zwar nur ein kleiner Aspekt der Frage, wie man im Bereich Frieden und Sicherheit den Einfluss und die Bedeutung von Frauen erhöhen kann – aber ein sehr sichtbarer und somit mit Signalwirkung.

Betrachtet man die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) der Europäischen Union (EU) und ihre Einsätze, fällt auf, dass ihr Fokus bisher nur eingeschränkt auf der Sichtbarkeit und Förderung von Frauen lag. Nur so ist erklärbar, dass es im Jahr 2020 keine Frau gibt, die eine der aktuell elf europäischen zivilen Missionen (oder eine der sechs militärischen Operationen) führt. Überhaupt stand an der Spitze der zivilen Einsätze bisher nur sechsmal eine Frau – dafür aber 64-mal ein Mann.

Auch bei den stellvertretenden Missionsleitungen sind Frauen deutlich unterrepräsentiert – in lediglich drei der elf zivilen Missionen, Eucap Sahel Niger, Eupol Copps und EUMM Georgien sind Frauen stellvertretende Leiterinnen. Davon sind zwei Deutsche.

Patricia Kruse arbeitet für die Geschäftsführung des Zentrums für Internationale Friedenseinsätze (ZIF).

Im November 2018 hat die EU den Pakt für die zivile GSVP veröffentlicht (Civilian CSDP Compact), der unter anderem den Anteil von Frauen auf allen Ebenen von EU-Einsätzen erhöhen soll. Da die Erfüllung des Compact aber auf Nationalstaatsebene angesiedelt ist, kann jeder EU-Staat selbst entscheiden, was eine bessere Repräsentation genau bedeutet – und nicht alle Mitgliedsstaaten scheinen sehr interessiert daran, mehr Frauen in Friedensmissionen zu haben.

Die Vereinten Nationen (UN) stehen verglichen mit der EU besser da: In der aktuellen Liste des Führungspersonals der UN in Friedenseinsätzen und bei Sondergesandten sind ein Drittel der Leitungspositionen von Frauen besetzt, bei den stellvertretenden Leitungen sogar die Hälfte – und das beinhaltet selbst die Führung eines überwiegend militärischen Einsatzes auf Zypern.

Dies ist vor allem möglich, weil der UN-Generalsekretär bereits in seiner Antrittsrede im Dezember 2016 ankündigte, dass am Ende seiner Amtszeit die Hälfte aller Senior Positionen (einschließlich Sonderbeauftragte und Missionsleitungen) mit Frauen besetzt werden sollen.

Im Oktober jährt sich zum 20. Mal die UN-Sicherheitsratsresolution 1325 „Frauen, Frieden und Sicherheit (WPS)“. Sie ist ein Meilenstein. In ihr wurde erstmals dazu aufgerufen, die Rechte von Frauen in Konflikten zu schützen und diese gleichberechtigt in Friedensverhandlungen, Konfliktbearbeitung und den Wiederaufbau mit einzubeziehen.

Es bietet die Gelegenheit, zu reflektieren, inwiefern die Inklusion von Frauen in der Außen- und Sicherheitspolitik seither eigentlich erfolgt ist. Blickt man hier auf die GSVP wird klar, dass zumindest in der Personalpolitik großer Nachholbedarf besteht.

Tobias Pietz ist stellvertretender Leiter der Analyse im Zentrum für Internationale Friedenseinsätze.

Nicht nur auf der Leitungsebene fehlt es an weiblichem Personal, der Anteil von Frauen in Friedenseinsätzen muss weiter erhöht werden. Bei den zivilen Missionen der EU liegt er aktuell bei knapp 25 Prozent. Deutschland befindet sich mit einem Anteil von 29 Prozent nur im Mittelfeld. Schweden mit 39 Prozent und Finnland mit 42 Prozent stehen deutlich besser da.

Beim nicht-uniformierten zivilen Personal liegt Deutschland mit 41 Prozent Frauenanteil in der Spitzengruppe. Das Fehlen von Frauen in den Missionen, vor allem in Leitungspositionen, liegt oft an einem Mangel an politischem Willen. So lange EU-Staaten für solche Stellen fast ausschließlich Männer vorschlagen, wird es zu keiner nennenswerten Verbesserung kommen.

Wie wäre es, wenn die EU-Staaten analog zur Politik der UN ankündigen, bis 2025 – dem 25-jährigen Jubiläum der Resolution 1325 – eine Parität der Geschlechter in der Leitung von GSVP-Einsätzen zu erreichen? Dafür könnte man für die nächsten frei werdenden Missionsleitungen 2020 und 2021 geeignete Kandidatinnen finden.

Die hohe Anzahl an Frauen in Spitzenpositionen bei den UN-Friedenseinsätzen – übrigens zum Teil auch Europäerinnen – zeigt deutlich: Es gibt genug geeignete Kandidatinnen. Selbstverständlich geht es bei der Resolution 1325 um mehr als nur um Frauen in Führungspositionen.

Die Repräsentation auf der Leitungsebene stellt hier aber einen wichtigen Aspekt dar, um die Stimme von Frauen in Entscheidungsprozesse einfließen zu lassen. Zentral ist es, die Erfahrung von Frauen auf allen Ebenen ernst zu nehmen und in der Außenpolitik mitzudenken.

Patricia Kruse arbeitet für die Geschäftsführung des Zentrums für Internationale Friedenseinsätze (ZIF).

Tobias Pietz ist stellvertretender Leiter der Analyse im Zentrum für Internationale Friedenseinsätze (ZIF).

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