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So demonstrieren Landwirtinnen eben nicht: Per Traktor

Kolumne

LandFrauen weisen den Weg

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Wenn die Landwirtschaft ihre missliche Rolle als Hauptverursacherin des Artensterbens loswerden soll, müssen sich auch Handel und Verbraucher anders verhalten.

Treckerfahren ist Männersache. Zumindest scheint das so. Denn wenn Bauern protestieren, Straßen blockieren und sich gegen strengere Tierschutzauflagen und Düngevorschriften wenden, sieht man praktisch nie Frauen auf den Traktoren sitzen. Die Stimmung ist meist lautstark und gereizt.

Landwirtinnen gehen anders vor. Der Deutsche Land-Frauenverband (dlv) veröffentlichte vor wenigen Wochen ein Positionspapier, das ruhiger klingt als ruppige Männerstimmen und Dieselgeknatter vor den Toren von Ministerien.

LandFrauen agieren anders als Männer

Die Frauen plädieren für einen langfristigen Dialog. Dass die Distanz und der spürbare Vertrauensverlust zwischen Teilen der Gesellschaft und der Landwirtschaft größer denn je seien, stellen sie fest. Sie sprechen vom immensen Preisdruck durch globalisierte Agrarmärkte und beklagen, dass die erhöhten Anforderungen an die landwirtschaftliche Produktion Mehrkosten verursachen, die von zu Wenigen an der Ladentheke mitgetragen werden.

Regionale Produkte aus der Heimat zu fairen Preisen findet man zwar in einigen Märkten, aber neben den Billigwaren aus großindustriellem Anbau und zwischen all den Flugavocados, neuseeländischen Äpfeln und importierten Erdbeeren führen sie doch ein Nischendasein.

Auch sprechen die LandFrauen vom Dilemma, dass sie und ihre Männer klima- und umweltschonend produzieren wollen, aber andererseits ihre Wettbewerbsfähigkeit behaupten müssen. Das lässt nur den Schluss zu, dass es der Landwirtschaft nicht möglich ist, Klima und Umwelt zu schonen und gleichzeitig auf den internationalen Märkten zu bestehen. Wirtschaftliches Überleben nur zu Lasten von Klima- und Naturschutz? Was für eine fatale Feststellung!

LandFrauen fordern mehr Regionalität

In der Tat wählen wohl die meisten Menschen nach wie vor beim Einkaufen den billigen und bequemen Weg, statt über Nachhaltigkeit nachzudenken und umweltbewusst auszuwählen.

Da sich die Verbraucher offenbar nicht hinreichend umstellen können oder wollen, ist es höchste Zeit, dass der Lebensmittelhandel Zeichen setzt. Seine Marketing-Profis sind erfinderisch, wenn es darum geht, Produkte an den Mann und die Frau zu bringen. Jetzt sollte er endlich Verantwortung übernehmen, damit die heimische Landwirtschaft eine reelle Chance bekommt, aus ihrer misslichen Rolle als Hauptverantwortliche des Artenschwundes auszusteigen.

LandFrauen fordern den Handel dazu auf, Verantwortung zu übernehmen

Der Handel muss endlich handeln. Er könnte mit umweltfreundlichen Angeboten neue, andere Kaufanreize schaffen. Nicht nur die Nachfrage bestimmt das Angebot, durch gute Angebote ließe sich auch Nachfrage gestalten.

Die LandFrauen hoffen auf ein Ende der „Wir gegen Die-Rhetorik“. Es ist nicht ganz klar, wen sie mit „Die“ meinen. Jedenfalls fordern die LandFrauen ein Ende der Konfrontation, mit einem Gesellschaftsvertrag, der die künftige Ausrichtung der Landwirtschaft in Deutschland festschreibt.

Diese Vision könnte endlich Bewegung bringen in die verhärteten Fronten. Ziele und Zielkonflikte definieren, den Prozess organisieren, Lösungen erarbeiten. Hoffentlich finden die Land-Frauen Gehör bei ihren treckerfahrenden männlichen Kollegen.

Im Januar 2020 findet die Grüne Woche in Berlin statt. Auch dort kommt es zu Demonstrationen.

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