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Björn Höcke bewegt die rechten Massen (hier am 1. Mai in Erfurt). 

„Flügel“-Treffen der AfD

Kyffhäuser-Treffen: AfD als Graubrot oder der rechtsextreme Führerkult um Björn Höcke

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„Flügel“ der AfD: Auf dem Kyffhäuser-Treffen zeigt sich, wen die AfD als Führer feiert. Nicht nur Björn Höcke demonstriert, wie weit rechts die Partei agiert. 

Die rechten Damen und Herren Redner*innen des AfD-„Flügels“ ließen auf dem Kyffhäuser-Treffen, das bereits zum fünften Mal stattfand, auf sich warten. Geschlagene 40 Minuten wurden die anwesenden Anhänger*innen mit Blasmusik vertröstet, ehe die völkische Jugend mit einem Fahnenmarsch die Veranstaltung eröffnete – mit stolzgeschwellter Brust lief der Nachwuchs in den Saal ein, alle mit einer Flagge ausgestattet. 

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Ein weichgezeichnetes Einschubfilmchen sollte die Anwesenden zunächst auf Temperatur bringen: „Der Osten steht auf“ ist die Losung, um die Rechtsextremen innerhalb der Rechtsaußen-Partei mit den Widerständlern der ehemaligen DDR zu assoziieren. „Wir sind das Volk“, schmetterte es in Schwarz-Rot-Gold mit pathetischer Musikuntermalung, auch wenn die Blasmusik im völkischen Heimatkontext besser gepasst hätte. 

Alexander Gauland sieht keine Hetze im Mordfall Lübcke vonseiten der AfD

Mit dabei war unter anderem Alexander Gauland, der mit Standing Ovations beklatscht wurde, der unangefochtene Rechts-Star Björn Höcke sowie Andreas Kalbitz, der die Eröffnungsrede hielt. Erstmalig durften auch Rednerinnen vor die begeisterte Masse, wie beispielsweise Ellen Kositza, Ehefrau des als völkischen Vordenkers bekannten Götz Kubitschek. Inhaltlich waren sie jedoch einigermaßen deckungsgleich mit ihren Kameraden. 

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„Klartext“ wollte Kalbitz reden, der Flügel sei unentbehrlich für einen „Paradigmenwechsel“, was wohl nichts anderes als die gesellschaftliche Umorientierung ins völkisch-nationalistische meinen kann. Er orakelte von einem drohenden „Kalifat“, Untergangsszenarien ganz nach dem Geschmack der Heimatliebhaber, denen es um nichts gehen dürfte als die Schlüsselbegriffe, die da wären „Tradition, Heimat und Identität“. Heimat sei ein Menschenrecht, was nicht ganz richtig ist. Zumindest im internationalen Recht ist es bislang nicht anerkannt. „Das deutsche Volk, das sind wir“ - mit „deutlichem Deutsch und aufrechter Haltung“. Kalbitz war in Fahrt, daher sagte er vieles doppelt und dreifach. Oder hatte er die Befürchtung, die Anwesenden hätten Verständnisprobleme? 

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Alexander Gauland sprach als nächster Redner von den „Kartell-Parteien“, die den ermordeten Politiker Walter Lübcke instrumentalisiert hätten. Rechter Gewalt den Boden zu bereiten durch Hetze, wie sie insbesondere die AfD betreibt, davon will der Bundessprecher nichts wissen, genauso wenig von rechtsextremen Strukturen wie „Nordkreuz“. Vielmehr fabuliert er von einem „Einzelfall“, den NSU offenbar verdrängend. Ihm sind der „Messermord“ und „Vergewaltigung“ politisch relevant, die es ja nach rechter Lesart erst seit 2015 gibt, und die wie stets den Fokus auf die Nationalität des Täters legen. Frauenrechte finden sich bei der AfD jenseits dieses Kontextes, Stichwort Gender oder „Vergewaltigung in der Ehe“, weniger auf der politischen Agenda. 

Die AfD, „das Graubrot bürgerlicher Vernunft“

Natürlich wird auf die Panne Bezug genommen, die der AfD-Sachsen 41 Listenplätze kostet. Es sei angemerkt, dass Verfahrensregeln auch für die Blau-Braunen gelten, doch scheinbar nicht für Gauland, der von „Tricks“ redet, mit denen die „größte Oppositionspartei“ an ihrem als sicher eingetüteten Wahlsieg gehindert werden solle. Verschwörungstheorien können sie. 

Euphemistisch spricht er schließlich von„unbedarften Äußerungen“ - übersetzt Hetze -, die jedoch als Fakt nicht taugen, eher würden sie von der Lügenpresse und dem politischen Gegner skandalisiert. Skandalisierung ist in diesem Fall gar nicht nötig, die AfD liefert den Stoff, aus dem die rechts-feuchten Träume sind. Das könnte an der politischen Agenda der Partei liegen. 

Doch wer ist das größte Feindbild? Das sind die Grünen, denn die sind des Teufels, in dessen Gestalt sie das „deutsche Volk“ zu „verdünnen“ bestrebt seien. Gauland gerät in Rage, schuld am „Aufstieg“ sei sowieso der Westen, aber wie ist das Motto des gruseligen Stelldicheins? „Der Osten steht auf“. 

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Egal, die AfD sei „das Graubrot bürgerlicher Vernunft“, also kein Sushi und gleich überhaupt kein Körnerbrötchen, das dürften nach dieser Logik wohl die Grünen sein. Ein Bild für die Ewigkeit, nichtsdestotrotz lässt er sich ganz Graubrot feierlich verabschieden. 

Der wahre Führer ist Björn Höcke

Doch der eigentliche Führer trägt den Namen Björn Höcke. Nach einer mit Blasmusik untermalten Mittagspause kam er dann endlich ans Mikrofon, der „Höhepunkt“ des diesjährigen Treffens: „Der Mensch Björn Höcke“. 

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Ein weiteres Einspielfilmchen inszenierte ihn als die Führungsfigur in seinem ganzen Fanatismus, kämpfend anscheinend selbstlos „für unser geliebtes deutsches Vaterland“. Um die Radikalität abzumildern, durfte er Schafe füttern, durch den deutschen Herbstwald joggen, sich als schüchtern behaupten. 

„Bitte erhebt euch alle“ - der Aufforderung hätte es nicht bedurft und vom inszenatorischen Kitsch-Faktor dürfe die AfD hier bei „Rocky“ geklaut haben. Der „Schüchterne“ lief ein, ließ sich umjubeln, ob Gauland bei diesen Bildern in seine Hunde-Krawatte gebissen hat, ist nicht überliefert. 

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Denn natürlich ist Höcke beliebter als Gauland, steht er doch für jene Radikalität, die die Partei im Kern ausmacht. Ständig Standing Ovations, Seitenhiebe auf den AfD-Bundesvorstand bzw. parteiinterne „Spalter“: Höcke war ganz im Opfermodus, jedoch sind die Bösen gerade nicht die „Lügenpresse“, sondern seine Kameraden, die ihn als schädlich für die pseudodemokratische Außenwirkung ausgedeutet haben, ganz so, als gäbe es hierzu noch irgendetwas weichzuzeichnen. 

Höcke, der Schüchterne 

Höcke, der Spitzenkandidat der AfD-Thüringen, will nach außen jedoch kein „Machtmensch“ sein, wähnt sich aber gleichsam schon an den Machttöpfchen, so denn der „kryptokommunistische Ministerpräsident“ Ramelow abgewählt werde. Logisch ist das nicht, vielmehr Führerhabitus im Deckmäntelchen der Bescheidenheit, die keiner ernst nimmt, der dem Mann nur einmal zuhört. 

Auch er formuliert den „grünen“ Feind als Gegensatzpart zur AfD, als multikulturellen Pool, indem sich die „Deutschlandhasser“ zusammengetan hätten. Und wäre es nicht nur Hetze, die schlicht den politischen Gegner mit Unwahrheiten zu diskreditieren versucht, man könnte fast denken, Höcke hat Angst – vor den Grünen. 

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Ansonsten nicht viel Neues von der rechtsextremen Front. Deutschland, so bekennt der Schüchterne zum Schluss, sei eine „Maulkorbdemokratie“, was er nicht sagen dürfte, wenn es denn so wäre. Aber die Logik-Brüche sind der Partei implizit und auch die Unwahrheiten eines Höcke: „Wir haben hier im Osten noch die persönlichen Erfahrungswerte mit einer totalitären Gesellschaft ... Es fühlt sich wieder so an, wie damals in der DDR“. Lustig, dass Höcke erst seit 2008 im Osten lebt und hier ein „Wir“ suggeriert, dass ihn nicht mitmeinen kann. Wie war das mit dem „deutlichen Deutsch“ (Kalbitz)? 

„Es lebe Thüringen, es lebe unser deutsches Vaterland“ usw. usf. Höcke hat alles gegeben, all die Radikalität, die ihn ausmacht und die sie bei der AfD wohl hören wollen. Es sollte niemand mehr daran zweifeln, dass der, der AfD wählt, den zum Führer stilisierten Björn Höcke will. Und früher oder später auch bekommt.

An anderer Stelle sorgtAfD-Politiker Björn Höcke für einen Eklat im TV. Er bricht ZDF-Interview einfach ab und legt dann auch noch mit einer Drohung nach.

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