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Künftig politisch korrekte Pornos?

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Von: André Mielke

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Was wird sich nach der Beate-Uhse-Pleite in unserem Sexleben ändern?
Was wird sich nach der Beate-Uhse-Pleite in unserem Sexleben ändern? © Malte Christians (dpa)

Nach der Insolvenz der Beate Uhse AG entstehen völlig neue Ideen für „Ehehilfen“ und wie sie unters Volk zu bringen sind. Die Kolumne.

Ich war nur ein einziges Mal bei Beate Uhse. Dienstlich, versteht sich. Ein Jahr nach dem Mauerfall eröffnete die erste Ost-Berliner Filiale. Der Konzern hatte dafür nicht nur die Baracke eines DDR-Intershops, sondern auch dessen Angestellte übernommen.

Ich, ein nassforscher Reporter Mitte 20, wollte mir von einer frisch umgeschulten und nur deshalb nicht arbeitslosen Verkäuferin um die 50 einen Fachbegriff erklären lassen. Sie zögerte. Daraufhin sprang der aus dem Westen eingeflogene „Ausbildungsleiter für Warenkunde“ herbei und unterwies die fast doppelt so alte Kollegin mit den Worten: „Gestern habe ich Ihnen die Vibratoren erklärt. Ein Dildo ist auch so eine Penisnachbildung.“

Ja, das waren so die Zumutungen der Wendezeit. Über den Erektionsherbeiführungsvakuumpumpen stand groß das Wort „Ehehilfen“, und der Warenkundler aus Hannover pries inbrünstig seine VHS-Videos an: Sie hätten „eine sehr schöne Handlung, damit der Zuschauer die Natürlichkeit des Aktes nachvollziehen kann“.

Jetzt ist die Beate Uhse AG pleite. Was die Natürlichkeit des Aktes betrifft gibt es neue Ideen. Auf „welt.de“ wünscht sich eine junge Online-Redakteurin und Kulturwissenschaftlerin, dass künftig der Staat Pornos mit noch schönerer Handlung produzieren und zur Grundversorgung in die Mediatheken von ARD und ZDF einspeisen möge. Amtliche Pornografie wäre nämlich „realitätsnäher, liebevoller, umsichtiger und vor allem gender-sensibel“. Einen ähnlichen Vorschlag haben die Berliner Jusos, die Michael Müllers (Regierender Bürgermeister von Berlin) von morgen, auch schon gemacht.

Ließe sich das über die Filmförderung abwickeln? Bräuchte man ein weiteres Referat im Familienministerium? Oder ein Bundesinstitut für Kohabitationsdokumentation?

Egal wie, mein Verständnis administrativer Zuständigkeit und Daseinsvorsorge ist ohnehin eher vormodern. Ich hänge noch dem Kinderglauben an, dass der demokratische Staat im Wesentlichen das friedliche Zusammenleben seiner Bürger zu regeln habe.

Für Optimierungen aufgeschlossen

Zudem existiert nach meiner Kenntnis im Internet bereits ein buntes Bukett einschlägiger Angebote für mannigfaltigste Vorlieben. Dennoch, ich bin für Optimierungen total aufgeschlossen.

Vielleicht wächst gerade eine Generation heran, die Grenzkontrollen, Verbrechensverfolgung, intakte Verkehrswege oder schimmelreduzierte Klassenräume als lässlich empfindet und behördlicherseits lieber bildgewaltig darüber instruiert werden möchte, wie alle 60 sozialen Geschlechter miteinander verkehren sollten. Das Neue, Revolutionäre kommt anfangs ja meist irrlichternd daher. Obwohl, es kann sein, dass sich das auch mit den Jahren nicht ändert.

Nebenbei: Was ist mit Schlagertexten? Auch dort werden Intimkontakte klischeebeladen und unkonkret dargestellt, jedenfalls bis Andrea Berg und Semino Rossi verstaatlicht sind.

Kommunale, bürgeramtsähnliche Bordelle könnten zudem das von konventionellen Betrieben kultivierte Zerrbild der ständig verfügbaren Frau noch realitätsnah konterkarieren: „Junger Mann, ziehen Sie sich erst mal eine Nummer. Termine gibt’s nur für in fünf Wochen. Und Aussuchen ist sowieso nicht: Sachbearbeiterin Cebulla macht Weiterbildung, und Frau Schmidt hat Migräne.“

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