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Auslese

Kritik an der Kritik der Kritik

  • Julia Gerlach
    VonJulia Gerlach
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Der Widerhall auf die Al-Dschasira-Urteile.

Ägyptens Diplomaten bereiten sich auf den Backlash vor“, lautet die Schlagzeile in der englischsprachigen Online-Ausgabe der regierungsnahen „Al-Ahram“. Tatsächlich hat die Verurteilung der Al-Dschasira-Journalisten zu sieben und zehn Jahren Haft am Montag einen internationalen Sturm der Kritik ausgelöst und das wiederum wird in den ägyptischen Medien scharf kritisiert.

Die Verurteilung des Urteils wird als Angriff auf Ägypten verstanden. Man fühlt sich als Opfer internationaler Attacken, sogar durch ausländische Regierungen oder Menschenrechtsorganisationen eingefädelter Verschwörungen. Kein Wunder also, dass „Al-Ahram“ ausführlich darüber berichtet, wie sich ägyptische Botschaften mit Sprachregelungen darauf vorbereiten, mit dieser Kritik umzugehen. Dabei geht es besonders um die Vertretungen in Kanada, Holland, Großbritannien und Australien, da unter den 20 Verurteilten auch Staatsbürger dieser Länder sind. Doch auch die Botschaft in Berlin verschickte Presseerklärungen und lehnte den Standpunkt ausländischer Seiten ab, „welche die Unabhängigkeit der Justiz und die Fairness der Urteile in Frage stellen“. Die Einmischung in die inneren Angelegenheiten sei inakzeptabel und löse die Entrüstung des ägyptischen Volkes aus.

Besonders angegriffen fühlte sich die Richterschaft. Sie rief die Regierung auf, sie zu verteidigen. „Abdallah Fathy, Sekretär des Richterbundes, betonte, die ägyptische Justiz sei berühmt für seine Unparteilichkeit, Fairness und Gerechtigkeit“, so die Zeitung „Al Masry al Youm“.

Besonders oft wurde in den ägyptischen Zeitungen US-Außenminister John Kerry zitiert, der das Urteil als „beängstigend und drakonisch“ bezeichnete, und natürlich wird auch darüber spekuliert, ob die USA womöglich ihre Militärhilfe, die gerade nach langem Zögern wieder freigegeben wurde, nun erneut verweigern werden.

Wichtiges Thema ist, ob Präsident Abdelfattah al-Sisi von seinem Recht auf Begnadigung Gebrauch macht. Anwälte und Diplomaten setzen darauf. Der bekannte Richter Refaat al-Said kritisiert aber bereits das Ansinnen: „Ägyptische und internationale Organisationen haben die ägyptische Regierung dazu aufgerufen, der ägyptischen Richterschaft unerlaubterweise Entscheidungen aufzuzwängen.“ Al-Sisi sprach sich zuletzt eindeutig gegen eine Begnadigung aus.

„Ich fasse zusammen: Erst werden wir in Ägypten wegen schrecklicher Verbrechen verurteilt, die wir nicht begangen haben und dann dürfen wir uns nicht einmal dagegen wehren“, so Rena Nintjes über Twitter. Das Urteil sehen viele als Zeichen, wie ungerecht der ganze Prozess war: Die niederländische Journalistin wurde zu zehn Jahren in Abwesenheit verurteilt, dabei stand sie nur im losen Kontakt zu Angestellten von Al-Dschasira: „Ich wurde verurteilt, weil ich eine Tasse Kaffee mit Mohammed Fahmy getrunken habe.“

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