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Krimi statt Aufklärung

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Von: Andreas Förster

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Das Buch über den Fall Barschel überzeugt nicht.

Es ist 30 Jahre her, dass die Leiche des ehemaligen Kieler Ministerpräsidenten Uwe Barschel in einer Badewanne im Genfer Nobelhotel Beau Rivage gefunden wurde. Bis heute ist ungeklärt, ob es sich bei dem mysteriösen Tod um Mord oder Selbstmord handelte. Auch das Buch von Patrik Baab und Robert E. Harkavy löst das Rätsel nicht.

Ebenso wenig vermag die Theorie des Autorenduos über die Hintergründe des Falls zu überzeugen, die zudem auch nicht neu ist: Demnach ließ die CIA Barschel im Oktober 1987 aus dem Weg räumen, weil er nach seinem politischen Absturz in Folge seiner schmutzigen Wahlkampftricks im schleswig-holsteinischen Landtagswahlkampf Details über die sogenannte Iran-Contra-Affäre aufdecken wollte. Bei dieser Affäre ging es um die von den USA organisierte Finanzierung der rechtsgerichteten Contra-Rebellen in Nicaragua aus den Erlösen illegaler Waffenlieferungen an den Iran in den 1980er Jahren.

Der NDR-Journalist Baab und der US-Politikwissenschaftler Harkavy stellen in ihrem Buch eine Verbindung zwischen dem Tod Barschels und dem Mord an dem schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme 1986 sowie dem ungeklärten Tod des ehemaligen CIA-Chefs William Colby her, der 1996 beim Paddeln in seinem Kanu angeblich einen Herzinfarkt erlitten haben soll. Diese „politischen Morde“ seien „Teil einer einzigen Geschichte“ – der Iran-Contra-Affäre – und Folge einer weltweiten „Säuberungsaktion, mit der unliebsame Zeugen und abtrünnige Helfer einer politischen Verschwörung aus dem Weg geräumt werden sollten“, behaupten sie in ihrem Buch.

Das Werk liest sich flüssig und spannend, aber die Story überzeugt nicht. Was auch an den Beweisen liegt, mit denen die Thesen belegt werden sollen. So verweisen die Autoren etwa auf eine Reihe von Dokumenten zu Aktivitäten der geheimen CIA-Killertruppe „Pegasus“, obwohl die Authentizität dieser zum Teil seit Jahren bekannten Unterlagen höchst umstritten ist – was in dem Buch auch eingeräumt wird. Ebenso bescheinigen Baab und Harkavy selbst einigen ihrer zentralen Zeugen ein gebrochenes Verhältnis zur Wahrheit

Dadurch aber, dass die Autoren ihre Theorie einer politischen Verschwörung auf teils zweifelhafte Quellen gründen, entwerten sie ihre Argumentation. Zur Erhellung des Falles Barschel und der anderen bis heute ungeklärten Todesfälle trägt dieses Buch nicht bei.

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