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Bob Carey im Schnee von Brooklyn.
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Bob Carey im Schnee von Brooklyn.

Telekom-Werbung

Kranke Werbung im Tutu

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Ein Mann im Tutu macht Spaß, um seine kranke Frau zu erheitern. Aus Spaß wird „Charity“, okay. Aber dann kommt der Spot der Telekom.

Eigentlich schon traurig genug. Eine Frau aus dem Osten der USA erfährt, dass sie an Brustkrebs erkrankt ist. Ihr Mann hat seit Jahren ein eigenartiges Hobby, er schnallt sich ein Tutu um und fotografiert sich als halbnackter Ballerino. Nach der schlimmen Diagnose macht er dies erst recht, knipst sich weltweit an mehr als 180 Orten im rosa Fummel. Er will lachen machen. Andere, sich selbst, und auch seine Frau. Denn Lachen ist gut, Lachen hilft. Besonders gegen Niedergeschlagenheit. Denn die können Todkranke und deren Angehörige am wenigsten brauchen. Und am allerwenigsten brauchen Todkranke niedergeschlagene Angehörige.

Der Mann verbreitete die Fotos im Internet, er machte aus den Bildern ein Buch, und er gründete eine Stiftung, die krebskranke Frauen unterstützt. Sie finanziert Massagen, Kinderbetreuung, Perücken und Krankentransporte. Das alles ist gut.

Die Stiftung durchlief dann eine Prozedur, wie sie in den USA üblich ist. Das „Fundraising“ begann, das professionelle Spendensammeln. „Charities“ werden abgehalten, Wohltätigkeitsveranstaltungen, die „man“ besuchen und unterstützen muss, wenn man dazugehören will. Wozu man da gehört, wird schnell nicht mehr gefragt, doch das ist in diesem Fall auch egal. Das „Me too“-Sein, das Dazugehörenwollen, ist in den Staaten nicht verpönt, sondern normal.

Weinprobe bei Maklerinnen in Virginia

So wird zum Beispiel unter anderem ein Schminkkurs in New York veranstaltet, eine Weinprobe bei Maklerinnen in Virginia, ein „Waterfront Walk and Brunch“ in New Jersey und eine Modenschau in Colorado. Alles für die Sache. Außerdem kann man E-Cards verschicken, über Pay Pal spenden und vieles mehr. Dies alles erscheint uns übertrieben und überkandidelt, doch einem Land wie den USA mit seinem unzureichenden Gesundheitssystem sind solche Initiativen enorm wichtig. Bei uns wird das in wenigen Jahren nicht anders sein, nur mal so nebenbei bemerkt. Deswegen ist das alles immer noch gut.

Nun aber kommt das Bedenkliche. Der dickliche Mann im rosa Fummel tänzelt nun plötzlich pünktlich zur Vorweihnachtszeit durchs deutsche Fernsehen. Logisch, könnte man denken, darüber muss berichtet werden. Doch der dickliche Mann tut dies nicht in der Tagesschau, sondern im Werbeblock. Für die Deutsche Telekom. Denn „besondere Geschichten verdienen das beste Netz“, prahlt das Unternehmen. Und der „Leiter Marktkommunikation“ ergänzt: „Wir zeigen, wie das schnelle Netz der Telekom es ermöglicht, besondere Momente miteinander zu teilen.“ Er erklärt dies im Branchendienst „Finanznachrichten.de“, der „alle News zu Aktien, Börse und Wirtschaft“ verbreitet. Ist das alles nun immer noch gut?

Was hat nun die Telekom mit der Sache zu tun? Nichts. Sie brauchte halt vor Weihnachten eine gute Geschichte. Die hat sie sich gekauft. „Storytelling“ heißt das bei amerikanischen Werbern. Und der Brustkrebs der Frau aus den USA wurde so zur Finanznachricht in Deutschland. Warum? Weil durch den Coup mit dem Tutu die Telekom Deutschland lukrativer werden könnte. Weil sich mehr Geld mit ihr verdienen lassen könnte. Gerade jetzt. Vor Weihnachten.

Übrigens: Kurz vor dem Fest erscheint schon der nächste Spot. Das hat „horizont.net“ vermeldet. Das „Portal für Marketing, Werbung und Medien“.

Michael Herl ist Autor und Theatermacher.

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