Kolumne

Kranich mit Biosprit

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Passagiere wählen zu lassen, mit welchem Treibstoff sie fliegen wollen, ist ein Werbegag - mehr nicht. Die Kolumne.

Es ist ein Schritt in die falsche Richtung. Die größte deutsche Fluggesellschaft will auf Biosprit umsteigen und die Passagiere sollen, dürfen, können mehr bezahlen, nämlich dann, wenn sie wollen, dass mit Biokerosin geflogen wird. Dass ein solcher Aufschlag teurer werden kann als das Ticket einer BiIligfluglinie, macht es nicht gerade wahrscheinlich, dass diese Idee eine Massennachfrage nach den Biotickets lostritt. Und die sind ja auch gar nicht so bio, wie sie klingen sollen.

Bei „Bio“ vermutet man etwas ökologisch einigermaßen umweltfreundliches. Aber weit gefehlt! „Bio“ ist eigentlich nur, dass solcher Treibstoff aus Pflanzen gewonnen wird. Aus Energiepflanzen, die nur dafür angebaut werden. Das gilt auch für Biodiesel und Biobenzin für des Deutschen – zumindest einst – liebstes Kind, das Auto. Soja, Ölpalmen, Mais und Zuckerrohr werden auf riesigen Flächen angebaut. Und das zum großen Teil dort, wo zuvor Regenwald stand. Das ist schon einmal nicht besonders bio, denn die Abholzung schadet dem Klima und führt zum Aussterben von im wahrsten Sinne des Wortes unzähligen Arten.

Dann benötigen die ausgedehnten Monokulturen natürlich Düngemittel und Pestizide, die Böden und Gewässer schwer belasten. Auch das kann man nicht gerade als bio bezeichnen. Doch damit nicht genug. Beim Anbau von Soja, Mais und Co liegen die Böden lange offen, sind nicht von einer Pflanzendecke geschützt.

Das fördert, ganz un-bio-logisch, die Erosion. Wertvoller Boden wird bei Trockenheit vom Acker geweht und in der Regenzeit ausgewaschen. Und auch für den Grundwasserhaushalt ist solcher Anbau eher problematisch. Nicht zuletzt gehen für diesen – ursprünglich wohl gut gemeinten – Unsinn des Energiepflanzenanbaus wertvolle Flächen verloren, die man für den Anbau von Lebensmitteln nutzen könnte. Oder für Erholungszwecke. Oder als Wildnisgebiete und für den Naturschutz, als Rückzugsräume und Rettungsinseln für Tier- und Pflanzenarten. Jedenfalls für vieles, was allen Menschen zugutekäme.

Inzwischen gibt es genug Studien, die zeigen, dass die Ökobilanz des Anbaus von Pflanzen für energetische Zwecke gar nicht so gut ist, wie man glauben möchte. Oder glauben machen möchte. Denn dass der Vorstand eines fliegenden Weltkonzerns all das nicht wusste, als er die Biokerosinidee lancierte, kann man sich kaum vorstellen. Man könnte auf den Gedanken kommen, das Ganze sei ein schlechter Werbegag. Zumal es Hinweise gibt, dass es der Vorstand mit dem Klimaschutz nicht so richtig ernst meint.

Hätte er sonst angedeutet, im Falle einer – längst überfälligen – ordentlichen Besteuerung von Flugbenzin in Deutschland könne man ja größere Tanks in die Flugzeuge einbauen und dann vermehrt im Ausland tanken, wo es diese Steuer nicht gibt?

Der Wettbewerb im Luftraum ist hart, das ist bekannt. Und Klimaschutz ist das Topthema, wenn es um die Erhaltung einer für den Menschen gesunden Umwelt geht. Da wäre es doch gut, wenn eine Fluglinie ihren Ruf dadurch stärkt, dass sie sich ernsthaft mit Überlegungen einbringt, wie sie ihre Umwelt- und Klimabilanz verbessern könnte. Wirklich umweltverträglicher Flugverkehr ist, wenn es ihn denn gibt, in weiter Ferne. Aber etwas mehr ehrliches Umweltengagement kann man doch erwarten, zumal wenn eine Fluglinie den Kranich im Logo führt.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

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