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Korrigierte Geschichte

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Lateinamerikanist Rinke erzählt die Eroberung Mexikos neu.

Hernán Cortés eroberte im Jahre 1519 mit ein paar Dutzend Spaniern die aztekische Hauptstadt, brachte den Herrscher Moteuczoma um und zerstörte Tenochtitlan, das schöner war als Venedig. So die Geschichte, wie wir sie lernten, als der Aztekenhäuptling noch Montezuma hieß. Es war eine Geschichte von der Überlegenheit europäischer Militärkunst und Waffentechnik. Wie wollten die Azteken sich mit Speeren gegen Gewehre schützen? Wie mussten sie erschrecken vor den nie gesehenen Pferden! Hinzu kam, dass ihnen die Wiederkehr weißer Götter geweissagt worden sei. Die Azteken versanken in Schockstarre angesichts dieser Übermacht.

Die Geschichte, wie wir sie kannten, stimmt nicht. Stefan Rinke, Lateinamerikanist der Freien Universität Berlin, räumt mit diesem Bild gründlich auf. Es standen sich in Wahrheit nicht Spanier und Azteken gegenüber. Die Ankunft der Spanier war für viele der Gesellschaften, die die Azteken sich gerade erst unterworfen hatten, eine Chance, gegen die aztekische Herrschaft aufzustehen. Einer der wichtigsten Verbündeten der Spanier aber war Orthopoxvirus variolae, der Pockenvirus. Wer die Pocken hatte, konnte nicht aufs Feld. Hungersnöte waren die Folge. Innerhalb eines Jahres sollen, so erklären Historiker, rund vierzig Prozent der Bevölkerung Zentralmexikos gestorben sein.

Eine wesentliche Ursache dafür, dass die Spanier auch später an der Macht bleiben konnten, war: Die verschiedenen indigenen Gruppen, selbst die, die zusammen mit den Spaniern gegen die Azteken gekämpft hatten, waren so verfeindet, dass sie zu einem gemeinsamen Aufstand gegen die neuen Herren nicht in der Lage waren.

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