+
Anette Schultner von der AfD durfte mit Moderatorin Bettina Warken und Publizistin Liane Bednarz diskutieren.

AfD und Kirchentag

Kontroverse muss geführt werden

  • schließen

Darf die Kirche eine AfD-Politikerin einladen? Ja, denn die Kirche hat eine gesellschaftliche Funktion. Ein Kommentar.

Darf, soll man als Christ mit Vertretern der sogenannten Alternative für Deutschland sprechen, öffentlich sogar? Die Evangelische Kirche in Deutschland hat die Frage mit Ja beantwortet und eine AfD-Politikerin zum Kirchentag geladen – und damit anders entschieden als die katholische Kirche im vergangenen Jahr. Die Einladung war schon im Vorfeld heiß umstritten, dennoch ist sie richtig.

Persönlich mag jeder und auch jeder Christ es mit sich selbst ausmachen, ob er mit AfD-Anhängern und -Politikern redet, die Kirchen aber haben auch eine gesellschaftliche Funktion. Man muss, man darf keine Sympathien für die AfD und ihre Positionen in der Flüchtlingsfrage haben und erst Recht für das dumpfe völkisch-antisemitische Geraune des rechten Rands. Aber wer den Dialog zumindest mit den Gemäßigten ablehnt, gibt all jenen Auftrieb, die ohnehin ständig ihre Marginalisierung beklagen und sich als Opfer stilisieren.

Es ist allzu bequem, das Gespräch zu verweigern in der Hoffnung, damit werde sich das Phänomen früher oder später selbst erledigen. Das wird es nicht, auch in Deutschland wird man sich daran gewöhnen müssen, dass ein jahrzehntelanges Tabu gefallen ist und sich eine rechtspopulistische Partei etabliert. Die Frage, wie man es mit AfD hält, spaltet die Gesellschaft, sie spaltet Familien und auch die Kirchen. Wollen sie ernst genommen werden als gesellschaftliche Kraft, dürfen sie nicht nur, sie müssen die Kontroverse führen, auch wenn sie weh tut. Und wo, wenn nicht auf einem Kirchentag, sollte das geschehen?

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare