Kita und Schule kommen beim Konjunkturpaket der Bundesregierung zu kurz.
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Kita und Schule kommen beim Konjunkturpaket der Bundesregierung zu kurz.

Gastbeitrag

Konjunkturpaket: Zum Schaden einer ganzen Generation

Es gibt auch Geld für die Kinder im Konjunkturpaket der Regierung. Aber Kita und Schule kommen zu kurz. Wir brauchen jede Menge Platz für Unterricht - und viel mehr Personal.

Das Konjunkturpaket der Bundesregierung ist insgesamt größer geworden als gedacht. Vieles steckt darin: So soll es beispielsweise einen Kinderbonus in Höhe von 300 Euro pro Kind geben, außerdem rund drei Milliarden Euro für den Ausbau von Kitas und Ganztagsschulen sowie die Digitalisierung der Schulen.

Das klingt nach etwas, doch es reicht nicht aus. Der Kinderbonus ist wenig zielgenau und kommt auch Familien zugute, die finanziell nicht auf ihn angewiesen sind. Während er für andere nicht ausreicht, ist die zweite Maßnahme nicht ambitioniert genug.

C. Katharina Spieß ist Leiterin der Abteilung Bildung und Familie am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und Professorin für Bildungs- und Familienökonomie an der Freien Universität Berlin.

Bereits jetzt ist absehbar, dass es eine Corona-Generation geben wird, deren Bildung – nicht nur in der Schule, sondern schon in der Kita – durch Unterbrechungen gekennzeichnet ist, weil Kitas und Schulen für längere Zeit geschlossen hatten, teilweise noch haben oder nur tageweise wenige Fächer unterrichten. Und wer weiß, was im Herbst und Winter noch passiert. Die Auswirkungen könnten sich in vielen Jahren noch auf dem Arbeitsmarkt und auch auf den Gehaltszetteln der heutigen Kinder widerspiegeln.

Das Wichtigste für viele Familien und Kinder ist daher, spätestens nach den Sommerferien wieder flächendeckenden Präsenzunterricht zu ermöglichen. Damit wäre auch den Eltern mehr geholfen als mit jedem Kinderbonus. Denn allein mit Geld lassen sich Beruf und Kinderbetreuung noch nicht besser unter einen Hut bekommen.

Notfalls sollte der Unterricht in Containern stattfinden, denn wenn in kleineren Lehreinheiten unterrichtet werden soll, braucht es mehr Räume. Da Lernen nicht nur in der Schule stattfindet, sondern auch in der Kita, braucht es auch dort schnell eine Aufstockung der räumlichen Kapazitäten. Doch dazu findet sich leider nichts Konkretes im Konjunkturpaket.

Es braucht aber auch mehr Lehrerinnen und Lehrer, mehr pädagogisches Fachpersonal, zumindest dann, wenn nicht zu viele Fächer oder ganze Bereiche der frühen Bildung wegfallen sollen. Wer soll sonst in den Containern unterrichten, wenn die anderen Lehrkräfte in den Schulräumen sind?

Hier sollte man sich am Gesundheitsbereich orientieren und diejenigen heranziehen, die sich in Ausbildung befinden – in diesem Fall angehende pädagogische Fachkräfte für Kitas oder Lehramtsanwärter für Schulen. Sie könnten einen Teil ihrer erforderlichen Praxiserfahrung nun sammeln. Da im Bereich des Personals der Bund nicht direkt investieren darf, sind an dieser Stelle die Länder und Kommunen gefragt. Dass den Kommunen im Rahmen des Konjunkturpakets keine Altschulden abgenommen werden, hilft in diesem Zusammenhang nicht.

Das Praktische an Investitionen in Räume und Personal zum Lernen in Kitas und Schulen ist, dass sie sowohl kurz- als auch langfristig wirken. Kurzfristig, weil Alleinerziehende und Eltern, die beide erwerbstätig sind, dadurch Beruf und Familie miteinander vereinbaren können. Dabei geht es um immerhin zwei Drittel der Familien mit Kindern im Alter von bis zu zwölf Jahren. Den Unternehmen fehlen durch die Kita- und Schulschließungen nicht nur wertvolle Arbeitskräfte, sondern dem Fiskus auch Einnahmen im Bereich der Einkommensteuer und der Sozialversicherungen.

Langfristig wirken Bildungsinvestitionen, weil weniger Schulbildung nicht nur den Schülerinnen und Schülern selbst schadet, sondern auch für die Gesellschaft und Volkswirtschaft erhebliche Kosten verursacht. Geht etwa ein Drittel eines Schuljahres verloren, liegen die späteren Erwerbseinkommen der Betroffenen – so die Berechnungen – um drei bis vier Prozent niedriger.

Mit Bildung gehen zudem nicht nur monetäre Erträge einher, sondern vielfach auch nichtmonetäre. Schulbildung kann die physische Gesundheit verbessern, Bildung erhöht das Demokratieverständnis und reduziert beispielsweise die Sorgen, die sich Menschen über die Einwanderung nach Deutschland machen.

Aber auch hier darf die frühe Bildung erneut nicht vergessen werden. Sie hat ebenfalls eine hohe Rendite – insbesondere internationale Studien belegen, dass langfristig jeder investierte Euro später mehrfach als Ertrag zurückkommen kann, wenn es sich um eine qualitativ gute Betreuung handelt. Bildungsökonomische Studien zeigen, dass insbesondere Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien davon profitieren können.

Bildungsinvestitionen lohnen sich kurz- und langfristig. Sie wären jetzt zudem eine Investition in jene Generationen, die die Schulden, die jetzt auch für das Konjunkturpaket gemacht werden, zumindest in Teilen noch werden zurückzahlen müssen. Deshalb hätten sie mehr Gewicht im Konjunkturprogramm der Bundesregierung verdient gehabt.

C. Katharina Spieß ist Leiterin der Abteilung Bildung und Familie am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und Professorin für Bildungs- und Familienökonomie an der Freien Universität Berlin.

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