+
Donald Trump während seines Wahlkampfes.

Konflikt am Golf

Donald Trump findet keine angemessene Antwort auf die Krise am Golf

  • schließen

Die Konflikte am Golf werden erst befriedet werden können, wenn Donald Trump seine Politik ändert. Dazu müsste er allerdings gedrängt werden. Der Leitartikel.

Saudi-Arabien und Bündnispartner USA haben diese Runde in dem gefährlichen Konflikt am Golf verloren. Doch wer auch immer die Punktsieger sind. Sie können sich zwar über den Coup freuen. Doch gewonnen haben sie nicht. Die Auseinandersetzung geht weiter, und niemand weiß, wie sehr sie noch eskalieren wird.

Die Attentäter feiern, dass sie mit den Drohnenangriffen auf die saudisch-arabische Ölraffinerie Abkaik und das Ölfeld Churais gezeigt haben, wie verwundbar die Ölproduktion Riads ist. Mit der Attacke ist die Drohung verbunden, jederzeit wieder mit Drohnen ein anderes saudisches Ziel angreifen zu können und damit die mit Abstand größte Einnahmequelle des Wüstenstaates weiter zu gefährden.

Weltwirtschaft vom Öl aus Saudi-Arabien abhängig

Zusätzlich haben sie alle daran erinnert, wie abhängig die Weltwirtschaft vom schwarzen Gold aus Saudi-Arabien ist. Riad muss seine Tagesproduktion vorübergehend auf die Hälfte drosseln. Das sind fünf Prozent des weltweiten Ölverbrauchs.

Schon kurz nach den Anschlägen, sorgten sich deshalb weltweit viele um einen steigenden Ölpreis, der die ohnehin weltweit schwächelnde Konjunktur abschmieren lassen könnte. Diese Ängste dürften überzogen sein. Schließlich gibt es genügend Reserven, die eine Produktionsdelle am Golf ausgleichen können. Sollten die Saudis ihre Anlagen nicht schnell genug reparieren, wird die Organisation erdölexportierender Länder einfach Mitglieder wie Russland oder Golfstaaten erlauben, ihre Ölexporte entsprechend zu erhöhen.

Auch beim ZDF geht es um den Iran. Moderator Markus Lanz schießt sich aber lieber auf Kevin Kühnert ein.

Doch vor allem haben die Attentäter der saudischen und der US-amerikanischen Politik des maximalen Drucks die Grenzen aufgezeigt. Weder die Huti-Rebellen im Jemen noch Iran sind bislang vor ihren Widersachern in die Knie gegangen.

Iran leugnet Mittäterschaft 

Im Gegenteil: Die Attentäter haben zunächst ein Verwirrspiel über die Täterschaft inszeniert. Die schiitischen Huti-Rebellen im Jemen haben sich zwar zu den Anschlägen bekannt. Doch kaum jemand traut ihnen zu, dies ohne fremde Hilfe geschafft zu haben.

Die möglichen Unterstützer in Saudi-Arabien mögen dabei helfen, den innenpolitischen Druck auf das saudische Königshaus zu erhöhen. Doch plausibler ist, dass die Huti-Rebellen von ihrem Verbündeten Iran die nötige technische und strategische Unterstützung bekommen haben, auch wenn Teheran dies leugnet. Schließlich will sich das Mullah-Regime nicht angreifbar machen. Zugleich kann man sich auch nicht vorstellen, dass die Huti-Rebellen solch einen dramatischen Angriff wie am Wochenende ohne Absprache mit dem mächtigen Verbündeten Iran durchführen.

Man kann also getrost sagen, dass die iranische Führung weiter spürbaren und dosierten Widerstand gegen die US-Sanktionen leistet. Sie können zwar nicht selbst aktiv werden, aber nach Belieben ihre Verbündeten Kräfte im Jemen und Irak, in Syrien und im Libanon einsetzen, um US-Einrichtungen lediglich zu bedrohen oder die saudische Ölinfrastruktur attackieren. Ergänzt wird dies durch Tankerangriffe ohne Absender im Golf von Oman oder der Abschuss einer US-Drohne im Grenzbereich des iranischen Hoheitsgebiets.

US-Präsident Donald Trump will keinen Krieg

Teheran kann all dies, weil die Mullahs aus dem ungleichen Kräfteverhältnis einen taktischen Vorteil gezogen haben. Sie wissen, dass US-Präsident Donald Trump keinen Krieg will und einen solchen auch nicht vorbereitet und deshalb die Bandbreite der Sanktion bereits ausgeschöpft hat und keine angemessenen Antwort mehr finden kann.

Doch Washington setzt nicht auf kurzfristige Erfolge. Trump will das Mullah-Regime mit den Sanktionen vor allem ökonomisch zum Einlenken zwingen. Bisher hat er damit aber lediglich die Reformkräfte im Iran geschwächt. Außerdem hat Trump die europäischen Verbündeten verprellt, die weiter versuchen, das Atomabkommen mit dem Iran zu retten – bislang erfolglos. Teherans jüngste Drohungen, den Vertrag zu brechen, sollte vor allem Deutschland und die anderen EU-Staaten wie Frankreich dazu bringen, endlich die angekündigte Hilfe zu leisten.

Bislang hat die EU zwar wenig erreicht, um den Konflikt am Golf einzudämmen. Sie müsste dennoch weiter Akteure suchen, mit denen dies gelingen könnte. Da sind zum einen Golfstaaten, denen dieser Konflikt zu heiß und zu gefährlich wird. Die Vereinigten Arabischen Emirate beispielsweise wollen ihre Truppen aus dem Jemen-Krieg zurückziehen. Nach dem Wochenende dürfte vor allem ökonomischen Akteuren klar geworden sein, wie gefährlich der Konflikt am Golf für die Weltwirtschaft ist.

Gelingt es nicht, einen Vorschlag zu entwickeln, mit dem Trump und der Iran gesichtswahrend einlenken können, dann wird der Konflikt am Golf noch eine ganze Weile weiter fortgeführt wie in den vergangene Monaten. Kleineren Provokationen folgen wahrscheinlich weitere Attacken wie am Wochenende, denen verbale Scharmützel folgen. Und der Iran wird wieder versuchen eine Atombombe zu entwickeln – und sei es nur als Drohkulisse. Alles in allem also keine guten Aussichten. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare