Stephan Ernst müsste mit seiner rechtsterroristischen Geschichte vollständig brechen, um glaubwürdig zu sein.
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Stephan Ernst müsste mit seiner rechtsterroristischen Geschichte vollständig brechen, um glaubwürdig zu sein.

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Geständnis im Lübcke-Mord-Prozess: Zur Reue gehört mehr

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Wenn der Angeklagte Ernst im Lübcke-Prozess tatsächlich Gewalttaten verhindern will, muss er reinen Tisch machen und die Namen von Mitstreitern und bewaffneten Nazis nennen. Ein Kommentar.

Stephan Ernst wird für den Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke verurteilt werden – daran dürfte es nach seiner Aussage vom Mittwoch keine Zweifel mehr geben. Mit öffentlich beteuerter Reue, dem erklärten Willen zum Ausstieg aus der Neonaziszene und der ausführlichen Schilderung psychischer Belastungen versucht Ernst, das Gericht trotzdem einigermaßen wohlwollend zu stimmen.

Mord an Walter Lübcke: Stephan Ernst muss reinen Tisch machen

Doch zur Reue gehört mehr. Wenn Ernst weitere Gewalttaten verhindern will, muss er reinen Tisch machen. Er müsste auspacken, die Namen von Aufhetzern, von Mitstreitern, von bewaffneten Nazis nennen. Er müsste das Netzwerk der Kameraden erhellen, die angeblich inzwischen nur noch seine ehemaligen Kameraden sind.

Wie glaubwürdig ist dieser Mann, der es in der langen Geschichte seiner Straftaten immer wieder geschafft hat, Richter einzulullen und zu geringen Strafen zu bewegen? Es reicht nicht zu sagen, dass ihm ein Mord leid tut. Das ist eine pure Selbstverständlichkeit. Wenn es Stephan Ernst wirklich ernst ist, müsste er mit seiner rechtsterroristischen Geschichte vollständig brechen. Er müsste die Demokratie im Sinne Walter Lübckes schützen helfen vor Leuten wie ihm selbst. Nur dann könnte man seine Reue glauben.

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