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Nach dem Brand müssen Geflüchtete auf der Straße schlafen.

Kommentar

Wo bleibt die Luftbrücke?

  • Ursula Rüssmann
    vonUrsula Rüssmann
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Nach dem Brand es Flüchtlingslagers auf der griechischen Insel Lesbos hilft nur eins: Nicht mehr taktieren, sondern den Menschen helfen und sie evakuieren.

Was sich auf Lesbos jetzt tut, zeigt wie durch ein Brennglas, wohin die menschenverachtende, vor allem auf Abschottung zielende EU-Flüchtlingspolitik führt: zu Gewalt, Zerstörung und Chaos, aber nicht zu weniger Flucht. 12 000 Menschen aus dem abgebrannten Lager Moria irren auf der kleinen Insel umher, viele haben nicht mal mehr eine Zeltplane, Nahrung oder sauberes Wasser. Wütende Inseleinwohner scheinen Helfer zu behindern. Angst vor Corona-Ausbreitung grassiert. Die Lage ist hochexplosiv, die Gefahr von mehr Gewalt ganz akut. Gut möglich, dass tatsächlich Geflüchtete die Brandstifter waren – sie hatten offenbar nichts mehr zu verlieren. Genau das gilt spätestens jetzt für Tausende auf der Insel.

Jetzt kann es nur ein Ziel geben: weitere Eskalation verhindern. Lesbos braucht sofort Katastrophenhilfe und kann nicht auf eine Einigung in der europäischen Asylpolitik warten. Die Insel braucht eine internationale Luftbrücke, wie sie in anderen Krisen auch schon aufgebaut wurde: Zelte, Trinkwasser, Corona-Teststationen müssen eingeflogen und es muss schnell eine sehr große Zahl Geflüchteter von der Insel evakuiert werden: aufs griechische Festland, nach Deutschland und in andere, aufnahmebereite EU-Länder. Es geht darum, Menschen zu retten. Politisch taktiert wurde schon zu lange.

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