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Hohe Mieten trotz neuer Wohnungen: Auf dem Areal des alten Offenbacher Ölhafens leben mittlerweile über 1500 Menschen. 
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Hohe Mieten trotz neuer Wohnungen: Auf dem Areal des alten Offenbacher Ölhafens leben mittlerweile über 1500 Menschen. 

Leitartikel

Hohe Mieten in den Städten: Wir müssen uns trauen, anders zu bauen

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Mit den bisherigen Werkzeugen des Wohnungsbaus löst der Bund das Problem der hohen Mieten in unseren Städten nicht. Wir müssen uns trauen, ganz anders zu bauen. Der Leitartikel.

Deutschlands Bauminister Horst Seehofer (CSU) ist zufrieden mit der Wohnungspolitik der Regierung. „Meine Bilanz fällt sehr positiv aus“, sagt er mit Blick auf die von der großen Koalition aufgelegte „Wohnraumoffensive“. Diese sei „das größte Wohnungsbauprogramm, das je eine Bundesregierung nach den Jahren des Wiederaufbaus, nach dem Zweiten Weltkrieg, aufgelegt hat“.

Blickt man auf die Zahlen, so scheint Seehofer mit seiner glänzenden Selbstbewertung zunächst einmal gar nicht so falsch zu liegen. 1,5 Millionen neue Wohnungen hatte er vor zweieinhalb Jahren versprochen. Immerhin 1,2 Millionen werden bis Ende des Jahres wohl tatsächlich gebaut worden sein. Hinzu kommen 770 000 erteilte Baugenehmigungen. Die Bundesregierung hat den Wohnungsbau – auch den sozialen – in den vergangenen Jahren mit Milliarden gefördert, hat ein Wohnkindergeld eingeführt, das Wohngeld reformiert und gar ein „Maßnahmenpaket Baukostensenkung“ geschnürt – etwa, um serielle Bauweisen zu fördern.

Wohnungsbau: Hohe Mieten in Städten wie Frankfurt oder München

Allein: All das reicht – bei weitem – noch nicht aus. Die Mieten und Kaufpreise für Wohnraum steigen in vielen Städten und deren Speckgürteln weiter an. In Frankfurt liegt der durchschnittliche Mietpreis für Neuvermietungen bei 15,53 Euro pro Quadratmeter, in München bei 18,61 Euro. Wer in Frankfurt für 1200 Euro kalt eine passable 80-Quadratmeter-Wohnung findet, hat Glück. Wer am Stadtrand ein Reihenhaus aus den 70ern für 700 000 Euro ergattert, ebenso.

Besonders hart trifft diese Situation freilich all jene, die gar nicht in der luxuriösen Situation sind, sich die Frage zu stellen, ob sie 1200 Euro plus Nebenkosten für eine Wohnung ausgeben wollen – weil ihnen dafür schlicht das Geld fehlt. Gleichzeitig verdienen sich Immobilienkonzerne mit ihren Projekten und Spekulationen eine goldene Nase.

Wohnungsbau in Offenbach: Schickes Stadtviertel mit hohen Mieten

Wer ein Beispiel dafür haben will, wie grotesk schief der Wohnungsbau in manchen Gegenden Deutschlands läuft, kann nach Offenbach schauen. Frankfurts Nachbarstadt wächst seit Jahren, rund 2000 Menschen zogen vor der Pandemie Jahr für Jahr zusätzlich in den zwischen Autobahn, Fluglärmschutzzone und Main eingequetschten Ort. Um das Wachstum zu stemmen, setzt die Stadt auf eine ähnliche Strategie wie die Bundesregierung: bauen, bauen, bauen. So entsteht auf dem Areal eines alten Ölhafens seit einigen Jahren ein neues Stadtviertel. Rund 1500 Menschen haben dort bereits ein neues Zuhause gefunden. Die Stadt verkauft die Konversion des Industrieareals als Erfolgsprojekt.

Doch die Sache hat einen Haken: In dem Quartier sind zwar Hunderte Wohnungen entstanden – aber keine einzige Sozialwohnung. Stattdessen sind hippe Mikroapartments im Angebot, die Mieter:innen zwar im Hof einen Hühnerstall zur Versorgung mit Bioeiern und auf dem Dach einen Basketballplatz mit Skylineblick bieten – die dafür aber auch 18 Euro pro Quadratmeter kosten. Gleichzeitig stehen in Offenbach 3000 Menschen auf der Warteliste der städtischen Wohnungsbaugesellschaft – die im Jahr aber lediglich 400 Wohnungen neu vermietet.

Hohe Mieten: Menschen im Rhein-Main-Gebiet ziehen an Rand des Ballungsraums

Es ist keine Seltenheit im Rhein-Main-Gebiet, dass ärmere Familien mangels Platz ihre jugendlichen Kinder auf der Wohnzimmercouch schlafen lassen. Manche ziehen an den Rand des Ballungsraums, teils ins nächste Mittelgebirge, von wo aus sie dann stundenlang – meist mit dem Auto – zur Arbeit pendeln.

Diese Beispiele, die auch aus Stuttgart oder Hamburg stammen könnten, zeigen: Viel zu bauen, reicht nicht. Es geht auch darum, richtig zu bauen. Wichtiger als die Auszahlung eines „Baukindergelds“ wäre eine viel massivere Förderung des sozialen Wohnungsbaus. Statt einer „Mietpreisbremse“, die Studien zufolge oft wirkungslos bleibt, bräuchte es mehr Milieuschutzsatzungen, die es Städten erlauben, von Luxussanierung bedrohte Gebäude zu kaufen und so einen weiteren Anstieg der Mieten zu verhindern. Der Bund müsste auch dafür viel Geld bereitstellen – denn eine Stadt wie Offenbach kann es sich schlicht nicht leisten, Wohnhäuser aufzukaufen.

Wohnungsbau gegen hohe Mieten muss auch ökologisch sinnvoll sein

Unbedingt sollte man auch darauf verzichten, selbst in besten Innenstadtlagen mit fußläufiger S-Bahn-Anbindung von Projektentwicklern den Bau teurer Tiefgaragen einzufordern. So nämlich scheitert nicht nur das hehre Ziel einer Verkehrswende – sondern so wird vielerorts auch kostengünstiges Bauen qua Verordnung unmöglich gemacht. Und in Neubaugebieten am Stadtrand sollte man dichter bauen, dazu muss es eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr geben. Geld dafür bereitzustellen, muss Priorität haben. Dass eine solche Entwicklung möglich ist, zeigt unser Nachbarland Österreich. (Fabian Scheuermann)

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