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Wer wirklich versagt

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Von: Ursula Rüssmann

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Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit.
Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Es ist erfreulich, dass der Bundesgesundheitsminister nun doch an einer Pflicht Corona-Infizierter zur Isolation festhält. Der Kommentar.

Die Bereitschaft, eigene Fehler zu korrigieren, gehört nicht gerade zu den hervorstechendsten Talenten derer, die politische Verantwortung tragen. Insofern ist es erfreulich, dass der Bundesge-sundheitsminister nun doch an einer Pflicht Corona-Infizierter zur Isolation festhält. Aber vor allem sachliche Gründe sprechen dafür: Das mit der Freiwilligkeit verbundene Entwarnungssignal wäre fatal gewesen. Auch hätte sie Beschäftigten viel Unsicherheit zugemutet - etwa die Angst vor Verdienstausfällen bei Abschottung.

Man darf sich aber nichts vormachen, die Gesundheitsbehörden sind längst nicht mehr in der Lage zu kontrollieren, ob Infizierte tatsächlich zu Hause bleiben. Die Regel wird täglich zehntausendfach unterlaufen. Ihr beschränkter Nutzen liegt in der Mahnung: Corona ist nicht harmlos. Deshalb sind die Rücktrittsrufe der Union an die Adresse Lauterbachs schlicht deplatziert.

Viel wichtiger ist das Impfpflichtvotum des Parlaments. An ihm dürfte sich entscheiden, ob wir im Winter ohne neue Freiheitsbeschränkungen auskommen. Der einzige Antrag, der dafür Chancen bietet, ist das Modell einer Impfpflicht ab 60 plus Option, sie bei Bedarf auf alle ab 18 auszudehnen. Dass Friedrich Merz seiner Fraktion hier bis zuletzt parteitaktische Opposition verordnet, ist das eigentliche Versagen dieser Tage.

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