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Russland: Prozess gegen Memorial – Wer leugnet, verliert

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Von: Viktor Funk

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Menschen versammeln sich vor dem Obersten Gerichtshof des Landes. Unter großer internationaler Anteilnahme hat in Moskau der viel kritisierte Prozess gegen die russische Menschenrechtsorganisation Memorial begonnen.
Unter großer internationaler Anteilnahme hat in Moskau der Prozess gegen die Menschenrechtsorganisation Memorial begonnen. © ALEXANDER NEMENOV/afp

Bei dem Gerichtsverfahren gegen Memorial in Russland geht es um die Unterdrückung und Verleugnung der eigenen Geschichte, womit kein Staat zu machen ist. Der Kommentar.

Es gab in den Jahren des Stalinismus keine einzige Landesregion und keinen einzigen Wirtschaftszweig, in die die Auswüchse des Gulags nicht hineinreichten.“ Dieser Satz aus einer Dokumentensammlung über das sowjetische Zwangsarbeitslagersystem (Gulag) aus dem Jahr 2002 bringt es auf den Punkt, worum es bei dem Gerichtsverfahren gegen Memorial in Russland geht: um die Unterdrückung und Verleugnung der eigenen Geschichte.

So fern jene stalinsche Epoche erscheint – die Werkzeuge der Unterdrückung, „die Auswüchse des Gulags“, haben die Sowjetunion überlebt. Der Staat nutzt heute wieder falsche Anschuldigungen, willkürliche bürokratische Vorgaben und fabrizierte „Fälle“ dazu, Menschen und Organisationen mundtot zu machen.

Russland: Memorial gibt Kampf nicht auf

Natalie Sablowski hat Memorial in Moskau besucht.

So entsteht ein Regime, das für seine Stabilität einen hohen Preis zahlt: Es muss immer repressiver agieren. Und weil es die eigene Geschichte leugnet, erkennt es nicht, was die Geschichte lehrt: Mit Aggression und Unterdrückung ist kein erfolgreicher Staat zu machen – und ein international respektierter schon gar nicht.

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