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Leitartikel

Weihnachten, Corona und der Klimawandel: Fürchtet euch nicht!

  • Karin Dalka
    vonKarin Dalka
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Wer sich umschaut in dieser kaputten Welt, sieht viel Heilsames, das von unten kommt. Es braucht Entschlossenheit, manchmal Zorn, vor allem aber den Mut, sich mit den Großen und Mächtigen anzulegen - dann kann es weihnachten.

  • Weihnachten und Corona: Die Pandemie ist weit mehr als nur eine Gesundheitskrise für Millionen von Menschen.
  • Coronavirus: Die Bedeutung von Leben, Verlust und Gesundheit.
  • Weihnachten: Die Menschwerdung Gottes als Kind in einer Krippe - nicht als Kriegsherr in einem Palast.

Frankfurt - Es gibt Zeiten, in denen die Kluft nicht größer sein könnte: zwischen Hoffnung und Verheißung einerseits und der harten Wirklichkeit andererseits. Weihnachten ist eine solche Zeit. Da sagt der Engel zu den Hirten: „Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren.“ Aber wer sich mit offenen Augen umschaut, sieht eine Welt zum Fürchten, ganz und gar ungerettet: Kriege, die nicht enden wollen, und neue Kriege, die zu noch mehr Elend und Vertreibung führen. Extremistische Gewalt und Terror. Der scheinbar unaufhaltsame Klimawandel. Und dann auch noch Corona.

Corona: Pandemie weit mehr als nur eine Gesundheitskrise für Millionen von Menschen

Die Pandemie ist weit mehr als eine Gesundheitskrise für viele Millionen von Menschen. Corona wirkt wie ein Erdbeben. Verheerend vor allem in den Ländern, in denen die Not auch vorher schon groß war, wie im Jemen oder Südsudan.

In vielen Ländern macht Corona in wenigen Monaten zunichte, was in Jahrzehnten an Entwicklung erreicht wurde. Darunter leiden vor allem die Kinder. Die Vereinten Nationen warnen vor einer „verlorenen Covid-Generation“. Das ist das Gegenteil der Weihnachtsbotschaft: „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“ Wer sich da nicht sorgt, ist blind oder hat kein Herz. Ist naiv oder perfekt im Verdrängen.

Lethargie ist keine Option – jedenfalls nicht für Christinnen und Christen, die die Weihnachtsbotschaft als Auftrag verstehen, selbst den Frieden zu schaffen, den ihnen der Engel verkündet.

Weihnachten in der Coronakrise: Menschen spüren den Widerspruch, was Weihnachten sein soll

Auch in den wohlhabenden Industrienationen, die besser durch die Coronakrise kommen, spüren die Menschen den Widerspruch zwischen dem, was ist, und dem, was Weihnachten eigentlich sein soll. Diese Zeiten haben so gar nichts von der kuscheligen Behaglichkeit, die für viele Menschen Weihnachten ausmacht: Friede, Freude, Lebkuchen.

Mangels Weihnachtsmärkten fehlte schon in der Adventszeit die glühweingetränkte Mischung aus Geselligkeit, Klimbim und Konsum, die bei manchen wohlige Gefühle auslöst. Mit der Botschaft des Engels hat diese Melange zwar nichts zu tun – Weihnachtskitsch muss man nicht vermissen. Aber es ist vieles verloren gegangen von dem, was in der dunklen, kalten Jahreszeit Wärme und Licht spendet: Gespräche, Nähe, Berührung, Gemeinschaft. Religiöse Rituale, familiäre Traditionen.

Coronavirus: Die Bedeutung von Leben, Verlust und Gesundheit

Corona bedeutet Verlust – im schlimmsten Fall von Leben und Gesundheit. Aber auch – schlimm genug – von Arbeit und Einkommen, von Kultur und Bildungschancen. Auch hierzulande hat Corona soziale Gräben vertieft und neue Krater aufgerissen. Auch hier wächst die Armut, während die Vermögen der Superreichen wachsen. Wo sich Lebensperspektiven verflüchtigen, wird zweifelnde Unsicherheit zum beherrschenden Gefühl. Oder auch Angst. Diese sei kein guter Ratgeber, heißt es. „Fürchtet euch nicht“, sagt der Engel. Vielleicht besser doch?

Weihnachten und der Klimawandel: Greta Thunberg und die Bewahrung der Schöpfung

„Ich will, dass ihr handelt, als wenn euer Haus brennt, denn das tut es“, sagte die Klimaaktivistin Greta Thunberg vor knapp zwei Jahren auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. „Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre.“ Aus diesen Worten spricht keine Schockstarre, sondern eine produktive Angst. Zornig, fordernd, antreibend. Und wirkmächtig, Motor einer weltweiten Bewegung, die – christlich gesprochen – für die Bewahrung der Schöpfung kämpft.

Lethargie ist keine Option – jedenfalls nicht für Christinnen und Christen, die die Weihnachtsbotschaft als Auftrag verstehen, selbst den Frieden zu schaffen, den ihnen der Engel verkündet. Und auch nicht für alle anderen Menschen mit einer Vision von einer besseren Welt. Aber wie dahinkommen? Darauf gibt die Weihnachtsgeschichte eine verblüffend klare und aktuelle Antwort: von unten. Säkular interpretiert könnte man auch sagen: basisdemokratisch.

Weihnachten: Menschwerdung Gottes als Kind in einer Krippe - nicht als Kriegsherr in einem Palast

Das Lukas-Evangelium erzählt die Geschichte der Menschwerdung Gottes: in einer Krippe, nicht in einem Palast. Als Kind, nicht als Kriegsherr. Schwach und hilfsbedürftig, nicht triumphal und gewalttätig. „Deus maximus in minimis! Gott ist am größten in den Kleinsten! Aber wir meinen immer noch, unser Heil müßte von Großen, Mächtigen Reichen kommen, und wir Kleinen, Machtlosen, Armen könnten nur warten, bis es kommt“, predigte der protestantische Theologe Martin Niemöller an Weihnachten 1972. „Nicht so, meine Freunde: Wer das Heil von den – oder einem – Großen, Mächtigen, Reichen erwartet, der wartet ganz gewiß umsonst!“

Weihnachten und Corona: Wer sich in dieser kaputten Welt umschaut, sieht viel Heilsames

Ja, wer sich umschaut in dieser kaputten Welt, sieht tatsächlich viel Heilsames, das von unten kommt. Die Welt ist voll von widerständigen Menschen, die sich engagieren für Flüchtlinge, gegen Rassismus, für fairen Welthandel, gegen Aufrüstung. Die solidarisch sind mit den Menschen am unteren Ende der gesellschaftlichen Hierarchie – den Hirten aus der Weihnachtsgeschichte. Die bereit sind, das Übel an der Wurzel zu packen, unsere Art zu leben und zu wirtschaften radikal neu zu denken.

Dazu braucht es Entschlossenheit, manchmal auch Trotz und Zorn. Auf alle Fälle den Mut, sich mit den Großen und Mächtigen anzulegen. Ohne Angst vor der Angst. Dann kann es weihnachten. Nicht nur an den Festtagen. Jederzeit.

Rubriklistenbild: © Norbert Neetz/epd

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