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Die Gäste im WDR-Talk „Die letzte Instanz“.
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Die Gäste im WDR-Talk „Die letzte Instanz“.

WDR-Talk „Die letzte Instanz“

„Alles völlig überzogen“: In „Die letzte Instanz“ kehren privilegierte Weiße Rassismus unter den Teppich

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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In der WDR-Sendung „Die letzte Instanz“ reden Gäste über diskriminierende Sprache. Die Runde besteht aus Weißen, die ein Problem diskutierten, das sie nicht betrifft.

  • In der WDR-Show „Die letzte Instanz“ mit Moderator Steffen Hallaschka ging es auch um das Thema rassistischer Sprachgebrauch.
  • Die Talkrunde auf dem ARD-Sender mit den Gästen Janine Kunze, Thomas Gottschalk, Micky Beisenherz und Jürgen Milski sorgt für Empörung und Kritik.
  • Nun entschuldigen sich zwei Gäste für ihre Aussagen.

Frankfurt - Als „temperamentvoller Meinungstalk“ wird die WDR-Show „Die letzte Instanz“ angepriesen. „Ob politische Geschmacklosigkeiten, grenzwertige Promi-Tweets, fragwürdige Schlagzeilen oder Moralfragen“ - klare „Kante“ sei gefragt und dies vom TV-Moderator Steffen Hallaschka. Der hatte sich mit Schlagersänger Jürgen Milski, Moderator Micky Beisenherz, Schauspielerin Janine Kunze und Entertainer Thomas Gottschalk ein illustres Ründchen zusammengestellt, das worüber diskutieren sollte?

WDR-Talk „Die letzte Instanz“ zaubert Barbara Schöneberger aus der uralten Kiste

Zunächst einmal über den Videobeweis beim Fußball, so weit, so harmlos. Weniger harmlos wurde es dann beim nächsten Thema: „Das Ende der Z*sauce. Ist das ein notwendiger Schritt?“ Als „Meinungsbringservice“ hatte Hallaschka die Runde eingeläutet und gleich mal den „politisch korrekten Ausdruck für Z*Soße“ aufs Tapet gebracht. Ein richtiger Schenkelklopfer war denn auch die erste alternative Bezeichnung, in diesem Fall „Sauce ohne festen Wohnsitz“. Da wurde ein „Witzchen“ von Barbara Schöneberger aus der Mottenkiste gezogen, damit es bloß nicht dem allgemeinen Gedächtnis abhanden komme.

Aber lustig, zwinkerzwinker, war‘s halt schon – ganz im Gegensatz zur richtigen Bezeichnung „Paprika-Sauce ungarischer Art“, so der Sprecher mit ironischem Unterton aus dem Off: „Na dann Prost, jetzt kann man nicht mal mehr Z* sagen ...“. Und es ist immer noch bemerkenswert, dass man eine Tomatensauce mit Gemüsezusatz zwanghaft an eine Minderheit koppeln will, die verfolgt und ermordet und stets mit diskriminierenden und ausgrenzenden Attributen bedacht wurde – nur weil man auf eine liebgewonnene deutsche Gewohnheit nicht verzichten kann. Doch was sagt die Runde zur Causa?

Janine Kunze und Jürgen Milski wollen im WDR-Talk „Die letzte Instanz“ von Diskriminierung nichts wissen

Jürgen Milski findet das alles völlig überzogen. Er komme noch aus einer Generation, in dem man sich bei der Bestellung eines Z*schnitzels keine Gedanken gemacht habe. Am Shitstorm gegenüber Schöneberger sehe man, „wie wenig Humor in Deutschland noch herrscht“. Janine Kunze schloss sich den „alten weißen Männern“ (Hallaschka) an, „wir“ würden zu viel jammern und dann „schlussfolgernd auch zu viel „terrorisieren“. Und überhaupt glaube sie nicht, dass sich Menschen durch die diskutierten und in Deutschland eingeführten Begriffe diskriminiert fühlten. Sie habe nie beim Bestellen eines Z*schnitzels an Diskriminierung gedacht, Milski natürlich auch nicht. Warum sollte sie auch als blonde deutsche Frau, die nun mal nicht zu jener diskriminierten Minderheit gehört?

SendungDie letzte Instanz
SenderWDR
GästeJanine Kunze, Thomas Gottschalk, Jürgen Milski, Mickey Beisenherz
Dauer ca. 1 Stunde
ModeratorSteffen Hallaschka

„Der Zentralrat der Sinti und Roma“, versucht Hallaschka einen Einwand, wird aber durch ein abwertendes „ja, ja“ von den beiden unterbrochen. „Moment, Z* ist eine von Klischees überlagerte Fremdbezeichnung von der Mehrheitsgesellschaft, die von den meisten Angehörigen der Minderheit als diskriminierend abgelehnt wird. Haben Sinti und Roma kein Recht, selber zu entscheiden, wie sie genannt werden wollen?“, versucht es Hallaschka erneut.

„Die letzte Instanz“ (WDR): Kunze offenbart eine Geschichtsvergessenheit, die man sich erst mal trauen muss

Da hat er aber die Rechnung ohne Janine Kunze gemacht. Unter zustimmendem Nicken von Jürgen Milski referiert sie über „wahrscheinlich zwei, drei Leute, ... die haben vielleicht auch nichts Besseres zu tun und fangen dann mit so einem – in meiner Welt – Quatsch an“ – aber selbstverständlich wolle sie niemandem zu nahe treten. Sie sei eine blonde Frau mit relativ großer Brust, was sie sich alles anhören müsste etc. pp.

Dass Diskriminierung in „ihrer Welt Quatsch“ ist, sei ihr zugestanden, offenbart aber eine Geschichtsvergessenheit gegenüber einer Minderheit, die man sich erst mal trauen muss. Der Verweis auf ihre blonden Haare inklusive Oberweite erschließt sich mir nur noch mit hoffnungsloser Ignoranz einer privilegierten weißen Frau, die Sexismus gegen Rassismus in die Waagschale wirft, als wüsste sie nicht, um welches Thema es gerade geht.

Rassismus: Vier weiße Menschen diskutieren im WDR ein Thema, dass sie gar nicht betrifft

Micky Beisenherz durfte auch seinen Senf dazu geben, insofern, als man sich über Sprache durchaus Gedanken machen sollte, und auch wenn er mit dem Z*schnitzel keinerlei Probleme hätte, sei es auch in Ordnung, manche Dinge umzubenennen, so sie denn eine gewisse Gruppe störten.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Sendung, die am Freitagabend (29.01.2021) als Wiederholung ausgestrahlt wurde, einzig aus Weißen bestand, die ein Problem diskutierten, das sie nicht betrifft. Und die sich schließlich bemüßigt sahen, sich über die Rassismus- und Diskriminierung-Diskussion lustig zu machen. Und die unwidersprochen behaupten konnten, welche Probleme mit Menschen mit „internationalem Hintergrund“ alle angeblich nicht haben. Und die am Ende der Frage „Das Ende der Z*sauce. Ist das ein notwendiger Schritt?“ mit einer grünen Karte zustimmen oder mit einer roten Karte dagegen stimmen konnten. Alle vier Gäste hielten die rote Karte hoch. Sie haben mit der roten Karte für Rassismus abgestimmt. (Katja Thorwarth)

Gäste entschuldigen sich nach WDR-Talk „Die letzte Instanz“

Nachtrag: Janine Kunze und Micky Beisenherz haben sich aktuell nach der Rassismus-Kritik entschuldigt. „Mir ist klar geworden, dass ich Menschen, insbesondere die der Sinti und Roma Community, mit meinen unbedachten Äußerungen zutiefst verletzt, als auch diskriminiert habe“, schrieb Kunze am Sonntag bei Instagram. Beisenherz sagte am Montag in seinem Podcast „Apokalypse und Filterkaffee“: „Wenn ich Leute enttäuscht habe, dann tut mir das aufrichtig leid, denn das möchte ich nicht.“ (Von Katja Thorwarth)

Hinweis: Da die Autorin den im TV verwendeten Begriff ablehnt, wird anstelle des korrekten Zitats mit einem Sternchen gearbeitet.

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