Donald Trump will mit Lügen und Schönfärbereien seiner angeblichen Erfolge seine Anhängerinnen und Anhänger weiter bei Laune halten.
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Donald Trump will mit Lügen und Schönfärbereien seiner angeblichen Erfolge seine Anhängerinnen und Anhänger weiter bei Laune halten.

TV-Duell Trump vs. Biden

American Shitshow

  • Andreas Schwarzkopf
    vonAndreas Schwarzkopf
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US-Präsident Trump lügt und pöbelt im TV-Duell lieber, statt sich mit seinem Herausforderer über die Lösungen für die vielen Probleme des Landes zu streiten. Der Leitartikel.

Der Wahlkampf um die US-Präsidentschaft hätte eine ernsthafte Debatte über Lösungen der vielen Probleme des Landes nötig gehabt. Schließlich sind die Vereinigten Staaten von der Corona-Pandemie, einem dramatischen Wirtschaftseinbruch und gesellschaftlichen Unruhen gezeichnet.

Doch das mit Spannung erwartete TV-Duell zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden glich stellenweise eher einer verbalen Keilerei mit geringem Unterhaltungswert als einer Diskussion. Dafür sorgte vor allem Amtsinhaber Trump, der sich fast von Anfang an nicht an die vereinbarten Regeln hielt, seinen Kontrahenten regelmäßig aggressiv unterbrach, beleidigte oder einfach rumpöbelte. Er versuchte die Diskussion zu chaotisieren und damit vor allem eine angemessene Auseinandersetzung zu unterbinden.

Trump scheint nicht mehr zu glauben, die Wahl in fünf Wochen noch mit normalen Mitteln gewinnen zu können. Zu groß ist der Rückstand in den Umfragen, auch in fünf der entscheidenden und umkämpften US-Bundesstaaten wie Florida.

Er setzte deshalb nicht darauf, Wechselwählerinnen und Wechselwähler für sich zu gewinnen, sondern eskalierte und polarisierte die Debatte weiter, um seine Anhänger anzustacheln. Nicht umsonst hat er sich nicht von rechten Gruppen distanziert, sondern deren Taten gelobt und sie dazu aufgerufen, weiter wachsam zu sein und vor Wahllokalen Posten zu beziehen. Das kommt einer Drohung gleich. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob er mit diesem aggressiven Verhalten nicht auch einige Anhänger verprellt hat.

Trump will mit Lügen und Schönfärbereien seiner angeblichen Erfolge seine Anhängerinnen und Anhänger weiter bei Laune halten. Doch mit rund 30 bis 40 Prozent lässt sich die Wahl nicht gewinnen. Deshalb behauptet er weiter fälschlich, der Urnengang werde nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden können.

Damit versucht er die Abstimmung zu delegitimieren, um das Ergebnis nicht anerkennen zu müssen. Aus diesem Grund wollte er sich während des TV-Duells auch nicht zur demokratischen Regel bekennen, auch eine Wahlniederlage anzuerkennen.

Biden hingegen sagte klipp und klar, er werde das Resultat des Urnengangs respektieren, auch wenn er verlieren sollte. Auch damit blieb Biden seiner Rolle als der bessere Demokrat treu. Das gelang ihm zwar nicht während der gesamten Debatte, in der er sich das eine oder andere Mal wie von seinen Mitstreitern befürchtet verhaspelte. Zudem ließ er sich auch zu unfreundlichen Attacken gegen Trump hinreißen, den er als Clown bezeichnete oder dem er empfahl, doch einfach mal den Mund zu halten.

Dennoch konnte Biden seine Strategie, möglichst fehlerfrei durch den Abend zu kommen, im Wesentlichen umsetzen. Das wirkte nicht immer souverän und bescherte den einen oder anderen defensiven und damit schwachen Moment. Doch auch Biden zielte eher darauf ab, die eigenen Wählerinnen und Wähler zu motivieren oder zumindest nicht zu enttäuschen, als darauf, zusätzliche zu gewinnen.

Der Schlagabtausch dürfte aber wie zuvor fast alle TV-Duelle nur geringen Einfluss auf das Wahlverhalten haben. Lediglich das Aufeinandertreffen von Richard Nixon und John F. Kennedy hat im Jahr 1960 den Wahlausgang verändert.

Dennoch feierten beide Lager ihren Kandidaten jeweils als Sieger, obwohl Umfragen nur Biden als Punktsieger auswiesen. Die Unentschiedenen haben allerdings wenig Neues erfahren und wandten sich während und nach der Debatte eher entnervt ab.

Mit dem TV-Duell hat endgültig die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen, während derer vor allem Trump bis zum 3. November die gesellschaftliche Debatte weiter polarisieren wird, statt daran mitzuwirken, die Probleme des Landes zu lösen. Dazu zählt die dramatisch hohe Zahl an Corona-Infizierten genauso wie die ökonomische Krise mit sehr vielen Arbeitslosen sowie die gesellschaftlichen Unruhen.

Für die nächsten beiden TV-Duelle sollten die Moderatoren sich Mittel überlegen, wie sie Trump besser kontrollieren können. Sie könnten ihm beispielsweise das Mikrofon abstellen, wenn er keine Redezeit hat. Damit würden sie eine Debatte befördern und eine verbale Keilerei verhindern. Appelle, doch bitte die Regeln einzuhalten, reichen bei Trump jedenfalls nicht. Sie lassen den Moderator eher schwach und hilflos aussehen.

Und der Demokrat Biden sollte nicht nur versuchen, Fehler zu vermeiden. Vielmehr sollte er die Gelegenheit auch nutzen und den Zuschauerinnen und Zuschauern erklären, wie er das Land aus der Krise führen will. Damit könnte er womöglich doch Unentschlossene auf seine Seite ziehen, um so das Wahlergebnis eindeutiger und damit unanfechtbar zu machen.

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