Coronavirus - Italien
+
Das Coronavirus hat in Italien viele Menschen das Leben gekostet.

Editorial

Vielfalt und Transparenz

  • Thomas Kaspar
    vonThomas Kaspar
    schließen

Einerseits vertrauen sehr viele Menschen den Medien, andererseits glauben nicht wenige, dass die Regierung Medien lenkt - eine Anmerkung des Chefredakteurs.

Die Diagnose der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung erschreckt. „Noch nie zuvor haben sich Desinformationen so schnell und flächendeckend verbreitet und festgesetzt“ lautet ein Ergebnis der repräsentativen Befragung zu Corona von 7300 Menschen weltweit.

Wie stark die Corona-Krise auch eine Medienkrise ist, zeigen Zahlen der Studie: 95 Prozent fühlen sich zwar „sehr gut“ bis „gut“ informiert. Aber 44 Prozent vermuten, dass die Medien auf Druck der Regierung Tatsachen verschweigen. Webseiten, Facebook und Messenger werden inzwischen gleichberechtigt zu klassischen Medien genutzt. Jeder zweite findet es schwierig, Journalismus von Fake News zu unterscheiden.

Auch die FR fragt sich: Haben wir alles richtig gemacht? Selbstkritisch stellen wir fest: Nach den ersten Schreckensmeldungen aus Italien haben wir nicht distanziert genug berichtet. Zu deutlich waren die Schockbilder, zu stark der Wille, unsere Leserinnen und Leser vor Gefahr zu warnen.

Doch schon kurz nach der Ausgangssperre waren die Polizeiaktionen gegen die Seebrücke-Demonstranten die erste Gelegenheit, die Einschränkungen sehr kritisch zu hinterfragen.

Zwei Grundsätze der Rundschau greifen in diesen Tagen besonders: Transparenz und Vielfalt. Früh haben wir etwa Statistiken veröffentlicht, dabei immer darauf geachtet, die Quellen und Entstehung zu nennen und sie hinterfragbar zu machen. Wir glauben immer noch an selbst denkende Leserinnen und Leser und liefern ihnen täglich das Rohmaterial für diese Tätigkeit.

Vielfalt bedeutet, jede Position zu brechen und einzuordnen und so viele Daten wie möglich zur Verfügung zu stellen.

Über die Vielzahl der Autorinnen und Autoren holen wir zudem sehr kontroverse Einschätzungen ins Blatt. Nicht zuletzt unsere Kolumnisten Hontschik, Herl und Meng haben mit durchaus polarisierenden Positionen ihren festen Platz in der FR.

Und: Noch nie haben uns so zahlreiche Leserbriefe erreicht. Wir drucken so viele wie möglich. Wie ist Ihre Meinung zur Corona-Berichterstattung? Schreiben Sie mir: thomas.kaspar@fr.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare