EU-Innenminister verweigern sich

Seehofer zeigt auf seine Amtskollegen - und will Geflüchteten selbst nicht helfen

  • Tanja Kokoska
    vonTanja Kokoska
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Horst Seehofer kritisiert Länder, die die Aufnahme Geflüchteter verweigern. Aber was tut Deutschland? Statt voranzugehen, verweigert es Hilfe, weil auch andere nicht helfen. Der Kommentar.

Stellen Sie sich vor, auf der Straße bricht ein Mensch zusammen. Es bildet sich ein Kreis um ihn, alle gucken, aber niemand hilft. Und einer der Zuschauer ruft: „Dieses Verhalten ist wirklich beschämend!“ Auf die Frage, warum er nicht geholfen habe, erwidert er: „Alle anderen tun es ja auch nicht.“

Exakt so benimmt sich Horst Seehofer. Handelte es sich um einen Vorfall in Deutschland, beginge er sogar eine Straftat, da er Notleidenden „nicht unverzüglich die seinen Fähigkeiten entsprechende Hilfe leistet“, so steht es im Strafgesetzbuch. Aber es geht ja nicht um Menschen, die auf deutschen Straßen zusammenbrechen. Sondern um Flüchtlinge, die irgendwo im Mittelmeer auf Kähnen vegetieren.

Wenn es im Bundesinnenminister wirklich so etwas wie Schamgefühl gibt, warum unterstützt er nicht die Bundesländer und Kommunen, die bereit sind, Geflüchtete aufzunehmen? Warum nutzt er die EU-Ratspräsidentschaft nicht für eine Initiative, wie sie Deutschland auch beim „Mercron“-Plan für die europäische Wirtschaft ergriffen hat? Warum belässt er es dabei, mit dem Finger auf „Verweigerer“-Länder wie Tschechien zu zeigen, statt selbst mit gutem Beispiel voranzugehen? Die Antwort ist schlicht und beschämend: weil er es nicht will.  

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