Urteil im Prozess gegen ehemaligen SS-Wachmann
+
Ein Mittäter in der NS-Tötungsmaschinerie darf das Gericht als freier Mann verlassen?

Kommentar

Urteil gegen KZ-Wachmann: Das richtige Maß an Milde

  • Bascha Mika
    vonBascha Mika
    schließen

Bewährung für einen Mann, der einst dem Vernichtungssystem der Nazis diente? Das klingt nach empörend wenig. Aber viel wichtiger ist das Signal: Der Mann ist schuldig. Ein Kommentar.

Schuldig. So lautet das Urteil gegen den ehemaligen SS-Wachmann im KZ Stutthof. Schuldig, weil Bruno D. als 17-Jähriger Beihilfe zum Mord an über 5000 Menschen geleistet hat. Schuldig – und dennoch nur zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt? Ein Mittäter in der NS-Tötungsmaschinerie darf das Gericht als freier Mann verlassen?

Auf den ersten Blick erscheint dieses Urteil empörend mild, als Hohn gegenüber den Nebenklägern, die das Grauen erlebt haben. Zumal Bruno D. versucht hat, sich vor Gericht zu rechtfertigen: Als Wachmann habe er von den Morden, sadistischen Grausamkeiten und Erniedrigungen nichts mitbekommen. „Gerade die, die oben auf den Wachtürmen waren, konnten alles sehen“, hielt ihm eine Holocaust-Überlebende vor Gericht entgegen.

Vor Gericht bat Bruno D. die KZ-Opfer und ihre Hinterbliebenen um Verzeihung. Doch zu seiner Schuld hat er sich nicht bekannt. Dennoch ist die Bewährungsstrafe angemessen. Entscheidend ist der Schuldspruch – nicht die Höhe der Strafe. Und dass auch die kleinen Helfer des Vernichtungssystems juristisch verfolgt werden. Selbst viele der Nebenkläger wollten den 93-Jährigen nicht im Gefängnis sehen. Damit haben sie mehr Mitmenschlichkeit bewiesen, als der Täter je erwarten durfte.

Kommentare