Eine Angehörige der Volksgruppe der Rohingya, verzweifelt nach einem Brand in einem Lager für Binnenflüchtlinge (Bild aus dem Jahr 2015). Myanmars Staatschefin Aung Suu Kyi toleriert die Unterdrückung der muslimischen Minderheit im Land.
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Eine Angehörige der Volksgruppe der Rohingya, verzweifelt nach einem Brand in einem Lager für Binnenflüchtlinge (Bild aus dem Jahr 2015). Myanmars Staatschefin Aung Suu Kyi toleriert die Unterdrückung der muslimischen Minderheit im Land.

Kommentar

Unwürdige Politik

  • Tanja Kokoska
    vonTanja Kokoska
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Friedensnobelpreisträger:innen, die untätig zuschauen, wenn Menschen unterdrückt und auf die Flucht getrieben werden, sollten ihre Auszeichnung zurückgeben. Egal, ob sie Aung San Suu Kyi heißen oder Europäische Union. Der Kommentar.

Es sind zwei Meldungen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben: Helfer auf der griechischen Insel Lesbos warnen, das neu errichtete Flüchtlingslager sei „absolut ungeeignet für den Winter“. Bei der Parlamentswahl in Myanmar war De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi die klare Favoritin.

Was haben sie – die EU und Suu Kyi – gemeinsam? Beide bekamen den Friedensnobelpreis, 2012 respektive 1991. Beide betreiben eine, um es noch höflich zu formulieren, eine restriktive Politik, wenn es um Menschen geht, die ihren Schutz bräuchten.

Die EU toleriert illegale Pushbacks im Mittelmeer. Sie duldet inhumane Zustände in den Flüchtlingslagern. Sie schließt Abkommen mit Diktatoren, um Flucht zu verunmöglichen. Suu Kyi toleriert die Unterdrückung der muslimischen Minderheit Rohingya. Sie duldet die Gräueltaten des Militärs. Sie schweigt zu der menschenunwürdigen Lage in den Flüchtlingslagern von Bangladesch. Beide sind dieses Preises nicht mehr würdig. Es gäbe zwei Möglichkeiten: Beide ändern ihre Politik. Oder sie geben den Preis zurück. Wer fängt an?

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