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Leitartikel

Gefährliche Mutationen, anhaltender Corona-Lockdown: Lauter ungeklärte Fragen

  • Michael Bayer
    vonMichael Bayer
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Wegen Corona verlängern Bund und Länder die Einschränkungen. Das alleine genügt nicht, viele Fragen zur Pandemie bleiben offen. Der Leitartikel.

  • Die Corona-Pandemie hält Deutschland weiter im Griff. Der Lockdown wird verlängert, Maßnahmen verschärft.
  • Hoch ansteckende Mutationen des Coronavirus sorgen für Verunsicherung: Wirken die Impfstoffe auch gegen sie?
  • Corona trifft besonders Schulen, Homeoffice und den öffentlichen Nahverkehr – Entlastungen wären aber möglich

Eigentlich war mit dem Beginn der Impfungen absehbar, wie in etwa sich das junge Corona-Jahr entwickeln könnte. In den ersten Monaten bekommen besonders Gefährdete die schützenden Spritzen. Ein anschließender warmer Sommer lockt viele ins Freie, raus aus den gefährlichen Innenräumen. Mit etwas Glück gehen wir, während die verbleibenden Impfungen gegen das Coronavirus laufen, mit niedrigen Zahlen auf das Jahresende zu. Das erste Halbjahr wäre damit zwar immer noch schwieriger, als es die Politik der 14-Tage-Schritte hoffen lässt. Aber mit den letzten Impfungen im Winter könnte die schwierige Zeit zu Ende gehen.

Neue Varianten von Corona: Noch offen, ob Impfstoffe gegen neue Mutationen wirken

Eigentlich. Denn das neue Jahr bringt schlechte Neuigkeiten. Das Corona-Virus verändert sich, es mutiert. Und möglicherweise erkennen die bisher entstandenen menschlichen Antikörper die Mutationen nicht. Untersuchungen der brasilianischen Variante deuten darauf hin.

Die Folgen wären dramatisch. Menschen, die bereits an Covid-19 erkrankt waren, sind nicht mehr automatisch vor weiteren Infektionen geschützt. Auch die Impfstoffe sind betroffen. Sie müssen möglicherweise neu zusammengesetzt werden. Schließlich ist zu prüfen, ob bisher gesetzte Spritzen genügend schützen – oder ob alles von vorne losgehen muss.

Kampf gegen das Corona-Virus: Vorsprung durch Mutationen verloren

Eigentlich sah es so aus, als lägen wir nach einem Jahr im Kampf gegen Corona vorne. Die neuen Mutationen könnten uns nun um Monate zurückwerfen. Und ganz nebenbei verbreiten sich die veränderten Varianten auch noch deutlich schneller als das ursprüngliche Virus.

Bleibt weiter geschlossen: Ein Friseursalon im Gutleutviertel in Frankfurt a. M.

Keine einfache Ausgangslage für Bund und Länder, die in dieser vielleicht historischen Stunde über die weitere Corona-Politik berieten. So wie sich die Lage derzeit zuspitzt, erscheinen weiter reichende Einschränkungen geboten. Je härter sie sind, desto wichtiger ist für deren Rechtmäßigkeit und Akzeptanz eine Befristung. Aber ehrlicherweise kann niemand versprechen, dass bald alles vorbei ist – schon gar nicht, wenn sich andeutet, dass der Kampf gegen das Coronavirus länger dauern wird als erhofft.

Neue Corona-Beschlüsse: Regelung zum Homeoffice mit vielen Schlupflöchern

Die Kanzlerin, die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten berieten lange – um danach, gemessen an der Infektionslage, kosmetische Änderungen zu verkünden. Sie fokussieren sich auf die Lebensbereiche Schule und Beruf – und den Weg dorthin. Und damit auf jene Kernpunkte, die die Politik seit Monaten mit Samthandschuhen anfasst.

Dass im aktuellen Lockdown deutlich weniger Menschen zu Hause arbeiten als im Frühjahr, lässt sich an beliebigen Großstadtbahnhöfen mit bloßem Auge erkennen. Ganz offenkundig ginge es also auch anders. Hier den Druck zu erhöhen ist richtig. Allerdings lassen Formulierungen im Beschluss (PDF-Datei) wie „wo es möglich ist“ und „sofern die Tätigkeiten es zulassen“ befürchten, dass Schlupflöcher bleiben.

Homeoffice während der Corona-Pandemie: Einheitliche Standards wären angebracht

Zugleich ist wichtig, die Arbeit im Homeoffice für die Beschäftigten attraktiv zu machen. Dazu gehören vermeintlich banale Dinge wie die häuslichen Nebenkosten. In vielen Jahresabrechnungen, die dieser Tage in den Briefkästen landen, macht sich die längere Anwesenheit durchaus bemerkbar; hier ist ein Ausgleich nötig. Die Standards für die Ausstattung des Arbeitsplatzes zu Hause sollten Unternehmen nicht mehr einfach umgehen können, indem sie von „mobilem Arbeiten“ reden. In solchen arbeitsrechtlichen Dingen sind Bund und Länder noch zu zögerlich.

In den Blick geraten auch die öffentlichen Verkehrsmittel. Der Fernverkehr erscheint inzwischen wenig problematisch; die Auslastung der Züge ist stark gesunken. Auf regionalen Strecken jedoch sind die Fahrzeuge oft zu voll. Abhilfe ist hier schwierig.

Der Schienenverkehr fährt ohnehin am Limit. In den Metropolen rollen die S-Bahnen meist so eng getaktet, dass sich keine weiteren Verbindungen einfügen lassen. Der Regionalverkehr ist streckenweise an Betreiber vergeben; die zugehörigen Fahrzeuge sind meist ohne Reserve abgezählt. Zusätzliche ältere Wagen lassen sich wegen vielerorts gekürzter Bahnsteige nicht mehr anhängen oder vertragen sich technisch nicht mit den weit verbreiteten Triebfahrzeugen.

Schulen öffnen trotz Verbreitung gefährlicher Corona-Mutationen – keine gute Idee

Bleibt die theoretische Möglichkeit, Reisenden die Mitfahrt zu verweigern, wenn im bereitstehenden Zug ein bestimmter Anteil der Sitzplätze belegt ist. Sonderlich praktikabel ist das freilich nicht.

Am wenigsten geklärt scheint der große Streitpunkt von Bund und Ländern: die Schulfrage. Vielleicht trug das Verkehrsthema zum Beschluss bei, die Schulen geschlossen zu halten. Aber es wird auch mehr und mehr klar, dass sich Corona sehr wohl, ja sogar überdurchschnittlich in Klassenzimmern ausbreitet. Die Mutationen könnten das noch verstärken. Es ist also kaum vorstellbar, dass die Schulen Mitte Februar öffnen, als gäbe es keine Gefahr mehr.

Homeoffice, Schulen, Familien: Das Coronavirus wirft weiter viele Fragen auf

Dagegen stehen die sozialen Auswirkungen geschlossener Schulen: auseinandergehende Bildungschancen, Mehrfachbelastung bei Homeoffice und Homeschooling, rückwärtsgewandte Geschlechterrollen in der nötigen Kinderbetreuung, die Gefahr zunehmender familiärer oder sexualisierter Gewalt.

Diese Fragen sind zentral für den Umgang unserer Gesellschaft mit der Corona-Pandemie. Und sie werden – wie das Virus samt seiner Mutationen selbst – länger akut bleiben, als wir es uns erhofften. Zeit, sie anzugehen. (Michael Bayer)

Rubriklistenbild: © Arne Dedert

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