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Trotz neuer ökologischer Ideen auf der IAA Mobility, echtes Umdenken ist das noch lange nicht.
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Trotz neuer ökologischer Ideen auf der IAA Mobility, echtes Umdenken ist das noch lange nicht.

Leitartikel

Autokonzerne wollen Geld verdienen – womit, das entscheiden wir

  • VonStefan Winter
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Auf der Verkehrsmesse IAA Mobility lässt sich bestaunen, wie die Konzerne dem Ruf der Ökobewegung folgen. Aber eine Garantie für echtes Umdenken ist das noch lange nicht. Der Leitartikel.

Topmanager lassen sich ungern in irgendetwas übertreffen. Deshalb sind sie geworden, was sie sind – das Thema spielt dabei keine große Rolle. So ist es für die Klimaaktivisten auf der IAA Mobility in München nicht mehr ganz einfach, Angriffsflächen zu finden. Vor zwei Jahren setzten sie mit ihrem Protest noch die Agenda und hinterließen eine ratlose Branche im Tal der Tränen. Jetzt empfängt der VW-Chef die Protestlerinnen und Protestler von Greenpeace mit freundlicher Plauderei, sein BMW-Kollege startet mit einer Öko-Offensive in die Messe, und ihr Branchenverband VDA bekennt sich unermüdlich zu den Klimazielen.

Darauf wären die Konzerne allerdings nicht von selbst gekommen. Es brauchte den massiven Protest, eine klimabewegte Jugend und politische Vorgaben in vielen Teilen der Welt, um den Wandel voranzutreiben. Tatsächlich hat er – daran mag sich der Protest noch lange aufrichten – gerade erst begonnen.

Und er treibt durchaus sonderbare Blüten: Der Boom schwerer Hybrid-SUVs ist eine hoffentlich kurzlebige Absurdität, erzeugt von Abgasvorschriften auf der einen und Kundenvorlieben auf der anderen Seite: Starker Motor mit formal niedrigem Verbrauch, das ist eine unwiderstehliche Kombination. Dass diese Autos im Alltag vor allem übergewichtig und übermotorisiert sind – nun ja.

Auch die Ökobilanz von Elektroautos ist noch längst nicht makellos, der Verzicht auf Kohlestrom und Rohstoffe fragwürdiger Herkunft bleibt eine schwere Aufgabe. Und selbst über neue Mobilitätsservices, von denen sich manche weniger Autos erhoffen, lässt sich streiten. In einigen Fällen ahnt man schon heute, dass sie weder der Umwelt noch dem Umsatz viel bringen werden.

Doch während die Übersetzung der alten Autowelt in eine umweltverträgliche Zukunft schlicht unmöglich wäre, sind solche Herausforderungen zu bewältigen. Es sind Nebenwirkungen eines Umbaus, wie ihn noch keine Industrie wagen musste – nicht in dieser Radikalität und erst recht nicht in diesen Dimensionen. Schließlich geht es um Produkte, an denen allein in Deutschland Hunderttausende Arbeitsplätze und Wohl und Wehe ganzer Landstriche hängen.

Druck von außen hat den Wandel angestoßen, aber die Dynamik der Industrie mit ihrem schlichten Drang zum Erfolg hat ihn in Fahrt gebracht. Ungezählte Versuche mit innovativen Vernunftautos waren kommerziell gescheitert. Es brauchte Tesla, um zu lernen, dass ein gutes Gewissen erst in Verbindung mit Status und Spaß gekauft wird. Für Vernunft allein legt die Kundschaft nicht mehrere Monatsgehälter auf den Tisch.

Diese Erkenntnis und Milliarden staatlicher Kaufhilfen haben die Elektromobilität schneller vorangebracht, als man es noch vor wenigen Jahren für möglich hielt – nicht zum ersten Mal gilt in der Industrie das Prinzip „langsam, aber gewaltig“. Die Autowelt ist gerade ein riesiges Versuchslabor. Überall wird das Verhältnis von Vernunft und Kommerz neu austariert. Und alle haben geirrt, die mit dem Elektroantrieb eine gleichförmige Autowelt kommen sahen. Im Gegenteil: Wer ohne Achtzylinder leben kann, findet mehr Vielfalt als je zuvor.

Es ist schade, dass Corona der IAA Mobility einen Fehlstart beschert. Sie zeigt nicht nur die alte Vielfalt von Kleinstwagen und Luxuslimousinen, sondern auch die neue von Lastenrädern und Mobilitätsservice.

Was davon wie viel Erfolg hat, wird sich zeigen. Denn so übermächtig die Weltkonzerne scheinen und manchmal auch sind: Am Ende ist es ihnen egal, ob sie Leder oder vegane Innenausstattung verkaufen, ob das Auto wahnsinnig schnell oder irre sparsam ist. Sie wollen nur unser Geld. Jede und jeder kann selbst entscheiden, ob und wofür sie es bekommen.

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