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Ukraine-Krieg: Selenskyjs Dauersorge

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Von: Ursula Rüssmann

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Ukraine-Krieg - Kiew
Selenskyj geht weiter davon aus, dass es sich bei der Rakete auf polnisches Gebiet um eine russisches handelte. © dpa

Die Explosion in Polen zeigt, wie schnell es im Verhältnis Kiews zur Nato knirschen kann. Ein schleichender Vertrauensverlust würde Russland nutzen.

Frankfurt – Es ist natürlich Kiews volles Recht, beteiligt zu werden, wenn jetzt polnische und US-Fachleute in Przewodów den tödlichen Raketeneinschlag untersuchen. Eher wirkt es überheblich, dass Kiew bisher übergangen wurde, schließlich soll es sich ja um ein ukrainisches Abwehrgeschoss gehandelt haben. Andererseits wundert man sich auch über Wolodymyr Selenskyjs fast trotzige Behauptung, er gehe weiter von einer von Russland abgefeuerten Rakete aus. Denn darauf deutet nichts hin, jedenfalls nach den bisher bekanntgemachten Informationen zu Trümmerteilen und der rekonstruierten Flugbahn.

Ukraine-Krieg: Selenskyjs Dauersorge, die Waffenhilfe der Allianz könnte allmählich schrumpfen

Was treibt Selenskyj also dazu, an einer These festzuhalten, die, weitergedacht, die Nato in den Verteidigungsfall drängen und damit in eine dramatische Eskalation bringen könnte? Zum einen wollte er wohl vor allem seinen schwer belasteten Militärs das volle Vertrauen bekunden, denn die Reihen müssen geschlossen bleiben. Zum anderen dürfte Selenskyj die nicht unberechtigte Dauersorge treiben, die für die Ukraine überlebensnotwendige Waffenhilfe der Allianz könnte allmählich schrumpfen.

Der Vorgang zeigt, wie schnell es im Verhältnis Kiews zur Nato knirschen kann. Im aktuellen Fall hilft dagegen nur Aufklärung, und zwar im Team mit der Ukraine. Ein schleichender Vertrauensverlust, das muss allen klar sein, würde am Ende nur Russland nutzen. (Ursula Rüssmann)

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