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Ukraine-Krieg: Nur ein Energieboykott hilft gegen Putin

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Von: Joachim Wille

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Mehr Energiesparen wäre ein starkes Signal gegen Putins Kriegspolitik. Treffen kann ihn aber nur ein Boykott fossiler Energie aus Russland. Der Leitartikel.

Was hilft, um Putins grausame Militärmaschine zu stoppen? Panzerfäuste, Molotow-Cocktails, Diplomatie? Inzwischen ist klar: Es muss möglichst schnell auch die Geldquelle verstopft werden, die die Kriegsmaschine am Laufen hält. Es geht um Russlands Energie-Einnahmen, von denen alleine 500 Millionen Euro täglich aus den Ländern der EU stammen.

Nicht nur radikale Ökos, wie Greenpeace und die Deutsche Umwelthilfe, haben das Energiesparen als Mittel der Wahl entdeckt. Auch die Chefin der EU-Kommission hat die 450 Millionen Bürger:innen in der Union aufgerufen, sich am Kampf gegen den Aggressor zu beteiligen. „Wir können alle dazu beitragen, unabhängiger zu werden von russischem Gas, überhaupt von fossilen Brennstoffen, indem wir Energie sparen. Jede und jeder an seinem Platz kann das tun“, sagte Ursula von der Leyen.

„Stop Putin“. Demonstranten vor dem Kölner Dom.
„Stop Putin“. Demonstranten vor dem Kölner Dom. © Oliver Berg/dpa

Putins Krieg: Für die Ukraine - ein bisschen Komfortverlust

Natürlich haben alle drei Recht. Es gibt eine ganze Menge Aktionen, die den Verbrauch der fossilen Energien Erdgas, Erdöl und Kohle schnell senken können, die in Deutschland zu einem Drittel bis 55 Prozent aus dem Reich des Despoten in Moskau stammen. Die Heizung ein, zwei Grad runterdrehen, ein Tempolimit 100/80/30, autofreie Sonntage wie in der Ölkrise 1973, Umsteigen vom Pkw auf Bus und Bahn, Beibehaltung von Homeoffice, um den Pendelverkehr zu senken, Inlandsflüge verbieten.

Es geht nicht um Peanuts. Beispiel: Allein das Absenken der Raumtemperatur von den in der EU im Schnitt üblichen 22 auf 21 Grad könnte laut der Internationalen Energieagentur den Erdgasverbrauch in der Union zehn Milliarden Kubikmeter senken. Das wären immerhin sieben Prozent der Menge, die die Union bisher aus Russland importiert. Und es wäre nicht einmal „Frieren für den Frieden“, wie manche meinen, um das lächerlich zu machen, sondern allenfalls eine kaum spürbarer Komfortverlust.

Zusammen mit den Maßnahmen im Verkehrsbereich und den vielen Möglichkeiten des Stromsparens würde der Energiebedarf aus Russland spürbar vermindert.

Und es wäre ein zusätzliches Signal nach Moskau. Motto: Wir gehen nicht nur demonstrieren, spenden Geld, bieten Flüchtlingen Unterkunft, sondern geben auch etwas von unserer Bequemlichkeit auf. Autofreie Sonntage in der Autonation Deutschland! Ein Tempolimit im Land der Freie-Fahrt-Apologeten! Das wäre ähnlich wie während der ersten Ölkrise ein Zeichen, dass wirklich neue Zeiten angebrochen sind, in denen alle begreifen, dass fossile Energien Kriegsenergien sind und die erneuerbaren nicht nur „Freiheitsenergien“ (Lindner), sondern auch „Friedensenergien“.

Gegen Putins Krieg in der Ukraine - ein Tempolimit

Die Ampel-Regierung könnte ein Zeichen setzen, indem sie Maßnahmen wie eben Tempolimit, autofreie Sonntage und Inlandsflugverbote beschließt, ergänzt um eine Energiespar-Kampagne, die alle Register zieht. Anno 1973, als Öl erstmals global, damals von der Opec, als Waffe während des Jom-Kippur-Kriegs zwischen arabischen Ländern und Israel eingesetzt wurde, war die Zustimmung in der Bevölkerung zu solchen Maßnahmen groß, Verstöße gab es kaum.

Auch diesmal wäre das so, denn der Ukraine-Krieg geht uns noch viel näher. Hinzu kommt, dass Maßnahmen wie das Tempolimit und das Inlandsflugverbot auch vor dem Ukraine-Krieg schon hohe Zustimmungsraten hatten.

Ukraine: Gegen Putins Krieg hilft nur ein Energieboykott wirklich

Dennoch darf man sich keinen Illusionen hingeben. Auch wenn hier alle Möglichkeiten aktiviert werden – mehr als 20, 30 Prozent von Russlands Energielieferungen dürften so nicht wegzusparen sein. Richtig schmerzhaft wird es für Wladimir Putin und seine Militärs erst, wenn die EU als Hauptabnehmer und Deutschland als größte Volkswirtschaft der Union sich zu einem kompletten Boykott von Gas, Kohle und Öl aus Russland entscheiden.

Die Rufe danach werden lauter, seitdem die USA sich dazu entschlossen haben. Hierzulande macht ein Bündnis pro Importstopp von Promis, Wissenschaftler:innen und Aktivist:innen von sich reden. Die Unterzeichnenden des Appells räumen ein, dass ein Boykott große Auswirkungen auf unsere Wirtschaft und unseren Alltag hätte. Doch sie glauben: „All dies sollten uns unsere Freiheit, Sicherheit und das Leben der Menschen in der Ukraine wert sein.“

Ukraine-Krieg: Angst vor Jobverlusten

Noch lehnt die Ampel den Boykott ab – aus Sorge um noch höhere Energiepreise, die ärmere Haushalte überfordern, und um einen Wirtschaftsrückgang mit Jobverlusten. Das sind zwar gewichtige Argumente. Doch je länger der Krieg dauert, desto größer wird der Druck werden, Putin das Geld trotzdem abzudrehen. Besser Scholz und Co. sehen das ein und bereiten ihre Bürger:innen darauf vor. (Joachim Wille)

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