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Olympia 1972: Überfällige Aufarbeitung

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Von: Thomas Kaspar

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Izchak Herzog, Präsident von Israel, legen während der Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag des Anschlags bei den Olympischen Spielen 1972 in München einen Kranz nieder.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Izchak Herzog, Präsident von Israel, legen während der Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag des Anschlags bei den Olympischen Spielen 1972 in München einen Kranz nieder. © Sven Hoppe/dpa

Die Einigung mit den Angehörigen der Opfer des Olympia-Attentats von München hat eine versöhnliche Gedenkfeier ermöglicht, das Debakel muss aber aufgearbeitet werden.

Olympia 1972 – das ist wahrlich kein Ruhmesblatt. Die Polizei versagte schlicht bei der Geiselnahme, und die Sicherheitsbehörden trugen eine Mitverantwortung für den blutigen Ausgang. Die Akten sind bis heute vertuscht und unter Verschluss. Das Debakel ist nicht beendet.

Im allerletzten Moment meinten Bundesrepublik, Freistaat Bayern und Stadt München den Eklat vermieden zu haben. Sie zahlten den Verbliebenen der elf Opferfamilien eine „Anerkennungsleistung“, um ein Fernbleiben bei der Gedenkfeier zu verhindern. Die Vertretung der Opfer sprach nun versöhnlicher, und doch brachte sie die Verwerfungen deutscher Gedenkkultur mit .

Olympia 1972: Opfer sollten nicht mehr kämpfen müssen

Seit Jahrzehnten waren die berechtigten Forderungen bekannt und wurden nicht beglichen. Als die Familien die Aufmerksamkeit des Jahrestages nutzten, war eine gütige Einigung vertan. Übrig blieb eine scheinbar erzwungene Geldsumme, die antiisraelische Ressentiments schürt. Doch es ist nicht Geld, zu dem Deutschland gezwungen wurde, sondern sich der eigenen Geschichte zu stellen.

Wenn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sich nun würdig entschuldigt und späte Aufarbeitung ankündigt, tut das gut. Glaubwürdig wird es erst, wenn Opfer in ihrem Leid anerkannt werden, ohne dafür kämpfen zu müssen. (Thomas Kaspar)

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