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Gewalt gegen Frauen

Erdogan gegen die Istanbul-Konvention - Die Frauen der Türkei werden diesen Krieg gewinnen

  • Bascha Mika
    VonBascha Mika
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Die Türkei kündigt die Istanbul Konvention auf. Die Strategie von Erdogan ist lächerlich. Ein Kommentar.

Schlagt sie! Vergewaltigt sie! Tötet sie! Warum hat der türkische Präsident Erdogan nicht gleich mit einer Werbekampagne zur Gewalt gegen Mädchen und Frauen aufgerufen? Hätte sich das im Kern von der Botschaft unterschieden, die er den Türkinnen tatsächlich gesandt hat?

Es ist zynisch, doch kaum von der Hand zu weisen: Der Austritt der Türkei aus der Istanbul-Konvention kommt der Absicht nahe, das weibliche Recht auf Leben und Unversehrtheit wie Müll zu entsorgen. Der Schritt von Erdogan wird all die aggressionsgeladenen Väter, Ehemänner, Brüder und Vettern weiter ermuntern, patriarchalen Machtanspruch und Gewaltfantasien an Frauen auszutoben. Mit psychischen und physischen Verletzungen bei den Opfern bis hin zu deren Liquidierung.

Die Türkei ist aus der Istanbul-Konvention des Europarats ausgetreten, die Gewalt gegen Frauen verhindern und bekämpfen soll.

Femizide in der Türkei sind seit Jahren drastisch gestiegen

Konsequenzen? Müssen die Täter in Zukunft noch weniger fürchten als bisher. Die Femizide in der Türkei sind seit Jahren drastisch gestiegen. Über 300 waren es laut offizieller Statistik im vergangenen Jahr, Amnesty International spricht von 474. Viele Morde werden als Suizid getarnt. So wie bei der 23-jährigen Sule Cet aus Ankara, die von zwei ihrer Bürokollegen verprügelt, vergewaltigt und aus dem Fenster geworfen wurde.

Durch die Aufkündigung des Istanbul Abkommens will Erdogan den Islamisten in seiner Partei entgegenkommen. Die sehen ihren Machtanspruch schwinden, wenn Frauen sich auf Rechte berufen, mehr Freiheiten fordern, dem Mann den Gehorsam verweigern und sich vermehrt scheiden lassen. Gleichzeitig versucht der Präsident von seiner desaströsen Corona-Politik und dem Niedergang der Tourismusindustrie abzulenken. Jaroslwaw Kaczynski, sein polnischer Bruder im Geiste, hatte es mit der Verschärfung des Abtreibungsrechts vorgemacht: Beschneide die Rechte von Frauen, treib die Weiber auf die Straße, im Aufruhr ist die Pandemie erstmal vergessen. (Und im übrigen hatte auch Kaczynski überlegt, die Istanbul Konvention zu verlassen.)

Recep Tayyip Erdogan

Alle Informationen zum türkischen Präsidenten finden Sie in den Erdogan-News.

Gewalt gegen Frauen in der Türkei: Strategie von Erdogan ist lächerlich

Doch die Strategie von Erdogan ist lächerlich. Die Türkinnen sind zwar in Aufruhr, aber die Auswirkungen von Corona dabei keineswegs vergessen. „Ausgerechnet im Pandemiejahr verlieren wir noch mehr Schutz“, erregt sich eine Aktivistin, „das können wir niemals akzeptieren.“ Seit Samstag gibt es Demonstrationen in vielen Städten, und sie werden weitergehen. „Wir lassen uns nicht einschüchtern, wir haben keine Angst, wir werden nicht gehorchen.“ So die Kampfparole. Und eine weitere sollte Erdogan in den Ohren dröhnen: „Es werden Frauen sein, die diesen Krieg gewinnen.“ (Bascha Mika)

Rubriklistenbild: © Emrah Gurel/dpa

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