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Tränen genügen nicht

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Von: Tanja Kokoska

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Oxiliene Morency weint vor Trauer, nachdem die Leiche ihrer siebenjährigen Tochter Esther Daniel aus den Trümmern ihres durch das Erdbeben zerstörten Hauses in Les Cayes, Haiti, geborgen wurde.
Oxiliene Morency weint vor Trauer, nachdem die Leiche ihrer siebenjährigen Tochter Esther Daniel aus den Trümmern ihres durch das Erdbeben zerstörten Hauses in Les Cayes, Haiti, geborgen wurde. © Joseph Odelyn/dpa

Ein Erdbeben erschüttert erneut Haiti. Hunderte Menschen sterben. Der Kommentar.

Es mache ihn „traurig“, sagt US-Präsident Joe Biden, dass Haiti erneut von einem Erdbeben getroffen worden sei. Mitgefühl allein wird den Menschen nicht helfen. Für das Leid, das ihnen täglich geschieht, sind die USA mitverantwortlich – historisch, politisch und ökonomisch.

Hier ist zu beobachten, was geschieht, wenn sich ein armes Agrarland dem globalen Handel öffnet: Billige US-Reissorten verdrängten das Angebot lokaler Reisbauern, die auf der Suche nach Arbeit in die Hauptstadt flüchteten. Dort leben sie zu Hunderttausenden in den Elendsvierteln – und sind einem Erdbeben schutzlos ausliefert. Ex-US-Präsident Bill Clinton förderte einen Industriepark, für den Zehntausende enteignet wurden. Heute schuften sie hier für einen Hungerlohn in der Textilindustrie – und leben in Trümmern.

Um Haiti nachhaltig zu unterstützen, braucht es unter vielem anderen: den Aufbau lokaler wirtschaftlicher Strukturen und erdbebensicherer Häuser, die Bekämpfung militanter Banden, die Stärkung demokratischer Kräfte. Aber hat Joe Biden daran wirklich Interesse?

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