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Holodomor war Genozid: Bundestag sendet starkes Signal an Putin

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Von: Michael Hesse

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Jedes Jahr am vierten Samstag im November gedenkt die Ukraine der Verhungerten, hier eine Szene aus Kiew. Foto: IMAGO IMAGES.
Jedes Jahr am vierten Samstag im November gedenkt die Ukraine der Verhungerten, hier eine Szene aus Kiew. © Imago

Der Bundestag erkennt den Holodomor in der Ukraine als Völkermord an. Die Ächtung von Stalins Hungerterror deutet auch in die Gegenwart. Ein Kommentar.

Die Botschaft könnte eindeutiger kaum sein: Der deutsche Bundestag wertet die durch den sowjetischen Diktator Josef Stalin in der Ukraine verursachte Hungerkrise als Genozid. 1931 und 1932 belief sich die Zahl der Opfer auf sieben bis zehn Millionen Menschen. Sie zählt zu den größten humanitären Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Der als Holodomor bezeichnete Massentod hat sich tief in das ukrainische Erinnern eingeprägt.

Die deutschen Parlamentarier:innen haben Haltung gezeigt angesichts eines immer brutaleren, menschenverachtenden, mörderischen Krieges, den Russland gegen sein Nachbarland führt. Wladimir Putins Angriff bringt die ukrainische Bevölkerung mit Absicht in eine zunehmend katastrophale Lebenssituation, da sie sich wegen der Zerstörung der Infrastruktur nicht mehr mit Energie versorgen können, die ein Überleben im kalten Winter ermöglichen würde. Der Westen muss sich dazu in klarer Form verhalten.

Die deutsche Legislative will dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht die Deutungshoheit über die Vergangenheit überlassen. Dieser hat die Geschichte zur Waffe gemacht. Mit seiner Vergangenheitsdeutung wäre die Ukraine ein natürlicher Bestandteil Russlands. Die Anerkennung des Holodomor als Genozid verweist hingegen mit aller Macht auf die Tatsache, dass Ukrainer:innen ein eigenes Volk bilden.

Dennoch ist der Beschluss aus wissenschaftlicher Sicht strittig. Es wird bezweifelt, dass es sich bei dem Krieg gegen „Kulaken und Volksfeinde“, wie es unter Stalin hieß, um eine gezielte Vernichtungsaktion gegen Ukrainer:innen gehandelt hat. Auch in anderen Teilen der damaligen UdSSR gab es hohe Opferzahlen. Historisch treffender wäre es daher gewesen, von einem „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ zu sprechen. Es bleibt ein politisches Signal. Putin wird wissen, dass er der Adressat ist.

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