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Sommerhit „Layla“: Sexismus ist kein Wettbewerb - Einfach nicht spielen

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Von: Andreas Sieler

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Derzeit in aller Ohren: Das Partytanzhit-Duo „DJ Robin & Schürze“, rechts der Robin, links der Schürze.
Mit „Layla“ in aller Ohren: Das Partytanzhit-Duo „DJ Robin & Schürze“, rechts der Robin, links der Schürze. © dpa

Dass über den sexistischen Ballermann-Sommerhit „Layla“ von DJ Robin & Schürze eine Debatte läuft, ist die gute Seite eines schlechten Songs. Leider wird am Thema vorbei geredet. Ein Kommentar.

Der Partysong „Layla“ ist ein Phänomen. Dass der frisch gekürte Sommerhit von DJ Robin & Schürze am Ballermann gegrölt wird, das ist keine Überraschung. Da passt er hin. Dass aber ein derart sexistischer Prollo-Hit nach Debatten wie #MeToo im Jahr 2022 so erfolgreich ist, verwundert nicht wenige. Ebenso, dass ein so durchschaubar auf Skandal getrimmter Quatsch zig Millionen Mal gestreamt wird und wochenlang die Charts anführt. Dass darüber eine neue Sexismus-Debatte entbrannt ist, ist die gute Seite eines schlechten Songs, leider geht diese aber teils am Thema vorbei.

Da wäre erstens das Wort „Verbot“ zu nennen – überwiegend von denen ins Spiel gebracht, die den Song feiern. Das ist natürlich totaler Humbug – das Lied ist nirgends verboten! Es mag Veranstalter:innen geben, die verkündet haben, das Lied auf ihren Events nicht zu spielen, aber zum einen wäre ein Verbot kaum zielführend, zum anderen verwies eine Sprecherin der Stadt Düsseldorf auf das entscheidende Argument: die fehlende Rechtsgrundlage. Und wenn es dann doch gespielt wird (Berichten zufolge in Düsseldorf geschehen), gibt es ohnehin kaum eine Handhabe dagegen.

Sommerhit „Layla“: Sexismus ist kein Wettbewerb

Zweitens ist es schwierig, eine Debatte zu führen, wenn die eine Seite das Thema nur oberflächlich betrachtet – sei es aus Gleichgültigkeit oder mangelnder Kompetenz. So erklären nicht nur Befürworter:innen des Songs, sondern auch DJ Robin selbst allen Ernstes zu „Laylas“ Verteidigung, in jedem Deutsch-Rap-Lied seien die Texte schlimmer. Das mag stimmen, aber Sexismus ist kein Wettbewerb. Und nicht nur bei Sexismus, auch bei Homophobie und Rassismus ist auch „ein bisschen“ immer schon zu viel.

Drittens wird das Thema von vielen als medialer Sommerlochfüller abgetan, worauf selbst die Deutsche Presseagentur aufgesprungen ist. Aber: welches Sommerloch? Es ist doch erfreulich, dass auch in Zeiten von Ukraine-Krieg, Corona, Hitze und Dürre noch Platz ist für diese Debatte.

Traurig genug, dass Sexismus am Ballermann dazugehört und auch die GfK offenbar kein Problem damit hat. Wer das Lied im Kämmerchen hören mag – bitte. Doch wenn viele Menschen zusammen feiern, sollte kein Platz für sexistische Lieder sein. Wünschenswert wäre daher, wenn weitere Veranstalter:innen klare Kante zeigen – und Lieder wie „Layla“ einfach nicht spielen. (Andreas Sieler)

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