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Demo in Schweinfurt

Kind als Schutzschild missbraucht: Was die Gesellschaft wirklich spaltet

  • Thomas Kaspar
    VonThomas Kaspar
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Wer dem vordergründigen Geschwätz der Teilnehmenden bei „Spaziergängen“ immer noch glaubt, hat den Knall nicht gehört. Ein Kommentar zur Demo in Schweinfurt.

Wer die Telegram-Kanäle der Organisatoren der Anti-Corona-Proteste verfolgt, kann keinen Zweifel daran haben: Die Impfgegner:innen setzen Kinder kalt kalkulierend bei Demonstrationen ein. Auch die Mutter auf der Demo in Schweinfurt hat die Verletzung ihres Vierjährigen bewusst in Kauf genommen. Sie hat ihr Kind als Schutzschild missbraucht. Schlimmer: Als sie mit dem Kind im Arm die Polizeisperre durchbrechen wollte, hat sie entweder darauf vertraut, dass sie deswegen vor Angriffen geschützt ist oder möglichen Schaden akzeptiert. Eine Anzeige wegen Verletzung der Schutzpflicht ist das mindeste.

Zum ersten Mal ließ sich diese Schutzschild-Taktik der „Querdenker“ im November 2020 dokumentieren. In Berlin wuchs die Zahl der Teilnehmenden bei den Demos gegen das Infektionsschutzgesetz, Wasserwerfer standen bereit. Die Lage war angespannt.

Anti-Corona-Demos sind systematisch geplant

Auf Telegram kündigte damals ein Veranstalter an, „eine bunte Kinderfront vorneweg zu schicken. Mit roten Herzluftballons! Die Kinder werden uns mit ihrem Licht und reinen Herzen beschützen, so wie wir sie vor dem Impfen beschützen“. Gegen Wasserwerfer wohlgemerkt wurden die Kinder in die erste Reihe geschickt, die Kriegsmetapher „Kinderfront“ spricht für sich. Dem Aufruf kamen damals zahlreiche Eltern nach, Videos belegen, dass dabei mindestens ein Jugendlicher weder von Herzballon noch von innerem Licht geschützt war und leicht verletzt wurde.

Bei der Corona-Demo in Schweinfurt wurde ein Kind verletzt.

Wer dem vordergründigen Geschwätz der Teilnehmenden bei „Spaziergängen“ immer noch glaubt, hat den Knall nicht gehört. Die Demonstrationen sind systematisch geplant. Die Szene ist hochvernetzt, professionell geführt. Der Drahtseilakt mit Versammlungsverordnungen wird rechtlich bis an die Grenze ausgereizt. Gefühle sind dabei viele im Spiel - dabei gibt es einen Regisseur im Hintergrund, der dabei rational auf die Erregungsknöpfe für spätere virale Videos drückt.

Anti-Corona-Proteste: Vernetzung mit der rechtsextremen Szene ist Fall für den Verfassungsschutz

Die Impfgegnerinnen und Impfgegner haben zu Großdemonstrationen am Jahresende aufgerufen. Sie werden „spazieren gehen“ und Kinder an der Hand halten. Sie werden verdutzt in Kameras blicken und sich traurig empören gegen die „demokratiefeindliche Staatsmacht“. Ausbaden müssen das die Sicherheitsbehörden auf der Straße. Die können kaum noch etwas retten, nur verhindern, dass es nicht zu ikonischen Bildern für die sozialen Netzwerkmühlen der rechten Szene kommt.

Wer auf Genehmigungsbehörden und Sicherheitskräfte wartet, handelt viel zu spät. Die Vernetzung mit der offen rechtsextremen Szene ist längst ein Fall für den Verfassungsschutz. Es ist jedoch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sich mit den Demos auseinanderzusetzen. Jene, die „gegen Spaltung und für Toleranz“ mobilisieren, müssen offen als das benannt werden, was sie sind: Spalter und Intolerante. Das zu tolerieren spaltet die Gesellschaft am Ende wirklich. Die klare Kante muss ganz am Anfang stehen – bei jedem und jeder von uns. (Thomas Kaspar)

Rubriklistenbild: © Josef Lamber/Main-Post/dpa/Archivbild

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