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Schirm startet als Knirps

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Von: Joachim Wille

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In der kommenden Woche will Olaf Scholz den offiziellen Startschuss für den „Global Shield“ geben.
In der kommenden Woche will Olaf Scholz den offiziellen Startschuss für den „Global Shield“ geben. © dpa

Kanzler Scholz sagt den vom Klimawandel betroffenen Ländern 170 Millionen Euro zu. In Ägypten appelliert er an andere Staaten, sich zu beteiligen. Doch das reicht nicht.

Global Shield“ heißt der neue Schutzschirm. Er soll armen Ländern helfen, die wegen Megafluten, Hitzewellen oder Wirbelstürmen bedroht sind. Die werden wegen des Klimawandels bekanntlich häufiger und heftiger, und das trifft ausgerechnet Staaten besonders, die selbst nur wenig zur Aufheizung der Atmosphäre beigetragen haben.

Deutschland hat im Rahmen seiner G7-Präsidentschaft den Anstoß zum Aufbau dieses Schutzschirms gegeben, und nun hat Kanzler Scholz bei seinem Auftritt beim UN-Klimagipfel 170 Millionen Euro dafür angekündigt. Damit positioniert sich Deutschland endlich wieder einmal als Vorreiter im internationalen Klimaschutz. Bisher sind die meisten Industrieländer mehr als zögerlich, beim Thema „Schäden und Verluste“ durch historische Klima-Emissionen Verantwortung zu übernehmen. Um nicht zu sagen, sie mauern ganz gewaltig.

Gemessen an den Schadenshöhen, die durch Katastrophen wie die Pakistan-Flut in diesem Jahr verursacht werden, sind die 170 Millionen Peanuts. Viele andere Geldgeber müssen mit ins Boot, darunter vor allem die USA als historische Obereinheizer und China, der seit Jahren mit Abstand größte Emittent weltweit. Geld dafür sollten die Regierungen sich auch von den Energiekonzernen holen, die die Atmosphäre teils seit vielen Jahren verschmutzen und damit ihre Gewinne machen. Von ihnen eine „Übergewinnsteuer“ zu erheben, wäre nur gerecht.

Endlich vorangehen muss es aber auch mit dem aktiven Klimaschutz durch Minderung der globalen Treibhausgas-Emissionen – was bisher 26 Klimagipfel seit 1995 mit ihren schwerfälligen „Jeder-Muss-Zustimmen“-Ritualen nicht zustande brachten. Auch hier hat Scholz mit seinem „Klimaclub“ eine interessante Idee in die Debatte eingeführt: Fortschrittliche Länder sollen bei der ökologischen Transformation und der Förderung klimafreundlicher Industrie zusammenarbeiten und so sicherstellen, dass „Klimaschutz international ein Standortvorteil ist“. Vorreiter würden durch leichteren Marktzugang belohnt. Bisher ist das Interesse zwar verhalten, doch das muss ja nicht so bleiben. Scholz sollte hartnäckig bleiben. Außerdem muss eine möglichst globale CO2-Bepreisung angegangen werden. Auch hier bräuchte es einen neuen Anlauf.

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