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K-Frage bei den Grünen

K-Frage der Grünen: Tränen Robert Habecks – eine traurige Heldengeschichte

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Der unterlegene Kandidat für die Kanzlerkandidatur der Grünen stilisiert sich als tapferer Verlierer – und führt ein Lehrstück in Sachen Selbstmitleid auf.

Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass eine männerdominierte Gesellschaft sich oft durch ihre Sprache selbst entlarvt. Für Menschen, die zu tränenreicher Wehleidigkeit neigen, hat das Deutsche zum Beispiel nur ein weibliches Wort: Heulsuse. Aber spätestens jetzt ist es an der Zeit, den Begriff zu gendern, was in diesem Fall bedeutet: Eine männliche Form der „Heulsuse“ muss her. Kein Geringerer als Robert Habeck hat dafür gesorgt, dass daran kein Weg mehr vorbei führt.

Habeck, im Hauptberuf Co-Vorsitzender der Grünen und im Nebenberuf seit Kurzem Nicht-Kanzlerkandidat seiner Partei, hat jetzt der „Zeit“ ein Interview zur Kandidatinnen-Kür der anderen Co-Vorsitzenden Annalena Baerbock gegeben. Und er hat darin der Gleichberechtigung der Geschlechter einen großen Dienst erwiesen: Wer jetzt noch glaubt, selbstmitleidige Wehleidigkeit sei etwas für „Suse“, wird vom heulenden Robert eines Besseren belehrt.

Robert Habeck kommt an Annalena Baerbock nicht vorbei.

Robert Habeck tut, was getan werden muss, aber dummerweise tut er sich dabei öffentlich leid

Nicht dass Habeck die Auswahl der weiblichen Kandidatin im Nachhinein für falsch erklären würde. Nein, er steht dazu, und ganz sicher wird er Annalena Baerbock im Wahlkampf tapfer unterstützen. Er tut also, was getan werden muss, aber dummerweise tut er sich dabei öffentlich leid.

„Bittersüß“ sei der Tag der öffentlichen Verkündigung für ihn gewesen, sagt der tapfer leidende Held im „Zeit“-Interview. „Ich bin nach Berlin gegangen, um die Partei in die Position zu bringen, dass sie den Kampf um die Kanzlerschaft führen kann. Jetzt schaffen wir das, das ist der süße Anteil. Aber ich werde diesen Kampf nicht von der Spitze aus führen, wie ich es wollte. Das ist der bittere Teil.“

Und damit wirklich alle verstehen, wie ungerecht das ist, erfahren wir eine Menge über die unerschöpflichen Qualitäten des Verlierers: „Ich habe mehrfach Koalitionsverhandlungen geführt und erfolgreich abgeschlossen, ich weiß also, wie das geht. Ich war in der Regierung, ich kann die grüne Programmatik auf Regierungstauglichkeit weiterentwickeln und abklopfen“ – welche ein Zufall, dass Habeck genau die Erfahrungen erwähnt, die Baerbock fehlen!

NameRobert Habeck
Geburststag2. September 1969
GeburtsortLübeck
EhepartnerinAndrea Paluch (verh. 1996)
ParteiBündnis 90/Die Grünen

Robert Habeck: Muss es ausgerechnet Selbstmitleid sein?

Es kann Robert Habeck zugute gehalten werden, dass es nicht schadet, wenn auch mal prominente Männer öffentlich Gefühle zeigen. Aber muss es ausgerechnet Selbstmitleid sein? Und muss das auch noch, nun wieder ganz klassisch männlich, mit einer Selbststilisierung als heroisch die Schmach ertragender Verlierer verbunden sein? „Trotzdem haben wir die Chance, … das Kanzleramt zu erobern oder zumindest sehr, sehr stark zu werden. Und das ist größer als das, was man sich persönlich zutraut oder will.“

Nachdem die ersten Tränen getrocknet sind, verweisen die Interviewerinnen der „Zeit“ auf Politikerkollegen hin, die in ähnlicher Lage überall verkünden, dass sie „eigentlich der Bessere gewesen“ wären. Habeck: „Das wird nicht passieren.“ Zu spät. (Stephan Hebel)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld

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