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Im Diskurs um Geflüchtete in Belarus fiel das Unwort des Jahres 2021 häufig.
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Im Diskurs um Geflüchtete in Belarus fiel das Unwort des Jahres 2021 häufig.

Kommentar

„Pushback“: Unwort, Untat, Unrecht

  • Fabian Scheuermann
    VonFabian Scheuermann
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„Pushback“ ist das Unwort des Jahres 2021. Das Etikett verschafft dem bitterbösen Treiben an den EU-Grenzen neue Aufmerksamkeit. Der Kommentar.

„Gutmensch“, „Klimahysterie“, „Corona-Diktatur“ – bei den Begriffen, die in den vergangenen Jahren zum „Unwort des Jahres“ gewählt wurden, liegt auf der Hand, warum. Wer jemanden als „Gutmenschen“ bezeichnet, diffamiert Hilfsbereitschaft und Toleranz gegenüber Schutzsuchenden als naiv und weltfremd. Ein solch menschenverachtender Begriff ist offensichtlich ein Unwort.

Beim Unwort des Jahres 2021, das am Mittwoch öffentlich gemacht wurde, liegt die Sache etwas anders. Denn das englische „Pushback“ – zu Deutsch: Zurückdrängen, Zurückschieben – bezeichnet ja eigentlich genau das, was es beschreibt: Damit Menschen in der EU kein Asyl beantragen, werden sie von Sicherheitskräften an diversen Grenzen regelmäßig zurückgedrängt. Das kann in Kroatien sein, wo Maskierte die Menschen mit Knüppeln zurück in den bosnischen Wald jagen. Oder in der Ägäis, wo die griechische Küstenwache ein Schlauchboot voller Menschen in Richtung Türkei schleppt – und auf offenem Meer zurücklässt. Aufwendige Recherchen belegen derlei Vorgehen. Und viele EU-Staaten tolerieren das stillschweigend.

Die Jury, die das Unwort 2021 gekürt hat, hat Recht, wenn sie schreibt, dass der Gebrauch des Begriffes zur „Verschleierung des Verstoßes gegen die Menschenrechte“ an den EU-Grenzen beitrage. Zumindest, wenn er nicht erklärt wird. Denn „die Gewalt und Folgen wie Tod, die mit dem Akt des Zurückdrängens“ verbunden sein können, schwingen bei dem Wort „Pushback“ nicht mit.

Auch die Frankfurter Rundschau hat den Begriff genutzt – meist jedoch verbunden mit der Beschreibung der Gewalt, mit der das von vielen als illegal angesehene Zurückdrängen vonstatten geht. Dieser Kontext muss immer mitgeliefert werden. Sonst besteht in der Tat die Gefahr, dass man sich zu sehr an die menschenrechtsverachtende Praxis gewöhnt. Ein Handlungsdruck entsteht dann nicht mehr.

Doch dieser Druck muss sein. Das Etikett „Unwort“ verschafft dem bitterbösen Treiben an den Grenzen neue Aufmerksamkeit. Kritische Medien müssen die Vorgänge weiter begleiten. Gefragt ist hier aber auch die neue Bundesregierung. Außenministerin Annalena Baerbock mahnte gerade „humane und faire Regeln“ an den Grenzen an. Die Erwartungen sind zu Recht hoch, dass auf die klaren Worte der Grünen auch klare Handlungen folgen. Handlungen auf EU-Ebene, die dem staatlich betriebenen Unrecht an den Grenzen ein Ende bereiten.

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