1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kommentare

Rechte Gewalt in Saarlouis: Späte Aufarbeitung

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Pitt von Bebenburg

Kommentare

Vor dem Eingang des Oberlandesgerichts in Koblenz fordern Demonstrierende die Aufklärung des Todes von Samuel Kofi Yeboah. 31 Jahre nach einem Brandanschlag auf ein saarländisches Asylbewerberheim hat hier der Mordprozess gegen einen heute 51-jährigen Angeklagten begonnen , dem vorgeworfen wird, 1991 einen Brandanschlag auf ein Asylbewerberwohnheim in Saarlouis verübt zu haben.
Vor dem Eingang des Oberlandesgerichts in Koblenz fordern Demonstrierende die Aufklärung des Todes von Samuel Kofi Yeboah. 31 Jahre nach einem Brandanschlag auf ein saarländisches Asylbewerberheim hat hier der Mordprozess gegen einen heute 51-jährigen Angeklagten begonnen , dem vorgeworfen wird, 1991 einen Brandanschlag auf ein Asylbewerberwohnheim in Saarlouis verübt zu haben. © Thomas Frey/dpa

Der Prozess wegen der tödlichen Brandstiftung in Saarlouis ist ein wichtiges Zeichen, dass rassistische Taten auch drei Jahrzehnte später noch aufgearbeitet und Täter zur Rechenschaft gezogen werden können. Auch wenn er im Grunde 30 Jahre zu spät kommt. Der Kommentar.

Die 90er Jahre waren finstere Jahre für Asylsuchende und generell für Menschen, die von rechten Hassgruppen als Ausländerinnen und Ausländer angesehen wurden. Das galt nicht nur in Ostdeutschland. Auch anderswo brannten Asylheime, wurden Imbisse angezündet, hetzten rechte Gewalttäter Menschen. Vieles davon wurden nie bestraft, weil Behörden rassistisch motivierte Straftaten nicht immer ernst nahmen. Der Prozess wegen der tödlichen Brandstiftung in Saarlouis ist daher ein wichtiges Zeichen, dass solche Taten auch drei Jahrzehnte später noch aufgearbeitet und Täter zur Rechenschaft gezogen werden können. Auch wenn er im Grunde 30 Jahre zu spät kommt.

Die spektakulären Fälle von Hoyerswerda, Rostock, Mölln und Solingen waren nur die Spitze des Eisbergs. Die Ablehnung von Asylsuchenden war seinerzeit Teil der Mainstream-Politik.

Gravierende Straftaten wurden nicht aufgeklärt. Opfer blieben nicht nur in Saarlouis ohne Hilfe zurück, sondern wurden teilweise abgeschoben. Der Prozess von Koblenz kann daher nur der Anfang der Aufarbeitung sein. Der Tod von Samuel Kofi Yeboah in Saarlouis muss mahnen, aus diesem Skandal auch politisch Konsequenzen zu ziehen.

Auch interessant

Kommentare