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Predigt und Praxis

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Von: Tobias Schwab

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Der Kirchentag in Frankfurt fand fast nur digital statt. Der Kommentar.

Ein Kirchentag ohne Gäste in der Stadt, das ist – diese profane Parallele sei erlaubt – wie ein Europapokalspiel ohne Fans im Stadion. Insofern konnte beim fast komplett digitalen ökumenischen Christentreffen in den vergangenen Tagen in Frankfurt auch keine typische Kirchentagsatmosphäre aufkommen. Manche am Main haben vielleicht sogar drei Kreuze gemacht, dass ihnen die singenden und betenden Heerscharen erspart geblieben sind.

Die Kirchen haben dramatisch an Bindungskraft und Glaubwürdigkeit eingebüßt. In Scharen laufen ihnen die Mitglieder davon. Selbst viele Engagierte entfernen sich immer mehr von den Konfessionen, die bei der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt versagen, Frauen noch immer ins Abseits stellen oder - siehe Caritas - mit ihrem Veto einen besseren Tarifvertrag für alle in der Altenpflege verhindern. Allzu oft stehen Predigt und Praxis in einem krassen Widerspruch.

Dabei täten Zu- und Einspruch der Kirchen angesichts einer sich vertiefenden gesellschaftlichen Spaltung not. Auf die großen Fragen der Gerechtigkeit, die sich in Zeiten des Klimawandels und einer globalen Gesundheitskrise dringlicher denn je stellen, haben die Kirchen doch eigentlich überzeugende Antworten. Es liegt an ihnen, dass sie auch gehört werden.

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