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Für die „Pinky Gloves“-Erfinder „ziemlich unangenehm“: Ein Tampon.
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Für die „Pinky Gloves“-Erfinder „ziemlich unangenehm“: Ein Tampon.

„Pinky Gloves“ bei „Höhle der Löwen“

„Pinky Gloves“ und Sexismus: „Die Partei“ mischt mit „Humor aus dem letzten Jahrtausend“ mit

  • Sonja Thomaser
    vonSonja Thomaser
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Perioden sind offensichtlich so ekelhaft, dass wir Handschuhe zum Tamponwechsel brauchen. Aber wer dachte, die „Pinky Gloves“ wären schon der sexistischste Müll der Woche, hat nicht mit der Partei „Die Partei“ gerechnet. Ein Kommentar.

Frankfurt – Nachdem Anfang der Woche zwei Cis-Männer in der Vox-Sendung „Höhle der Löwen“ einfach Mal im nationalen TV erklärt haben, wie eklig die Periode ist und dass sie endlich eine Lösung für dieses „Problem“ gefunden haben – nämlich pinke Handschuhe namens „Pinky Gloves“ – dachten wir ja wirklich, dass damit der Sexismus-Peak für diese Woche erreicht wäre.

Das war natürlich sehr dumm. Denn wir leben im Patriarchat und die Grundlage dessen ist nun mal, weiblich gelesene Personen abzuwerten. Die Partei „Die Partei“ hat es tatsächlich geschafft, noch einen draufzulegen und verbreitet in den sozialen Medien ein witzig gemeintes Bild zum Thema „Pinky Gloves“, das eine einzige sexistische Geschmacklosigkeit ist.

„Pinky Gloves“ bei „Höhle der Löwen“ vorgestellt: Perioden sind anscheinend eklig

Aber erst einmal was bisher geschah: Keine Erfahrung mit etwas zu haben, hat die wenigsten Männer bisher davon abgehalten, ihre Meinung kundzutun oder abstruse Ideen und „Lösungsvorschläge“ anzubringen. Und wenig verwunderlich kommt dann Mist raus.

So geschehen bei unseren zwei selbsternannten „Frauenverstehern“ von „Pinky Gloves“. Die haben nämlich in ihrem WG-Mülleimer in Toilettenpapier eingewickelte Tampons gesehen und fanden das „ziemlich unangenehm“. Also dachten sich die zwei Cis-Männer, dass sie den ekelhaften Menstruierenden helfen können, weniger ekelhaft zu sein und dass dabei ja gleichzeitig auch noch ein paar Euro zu verdienen sein könnten. Also erfanden sie „Pinky Gloves“, pinke (ist ja für Mädchen) Plastikhandschuhe (wer braucht schon Umweltschutz), mit denen man diesen in ihren Augen offensichtlich wahnsinnig ekelhaften Vorgang des Tamponwechsels gefahrlos durchführen kann und - wie praktisch – anschließend den benutzten Tampon darin sicher und vor allem blickdicht verschlossen wegwerfen kann.

„Pinky Gloves“ bei „Höhle der Löwen“: Das Lovechild aus Kapitalismus und Sexismus

Dieses Lovechild aus Kapitalismus und Sexismus wurde am Dienstag (13.04.2021) in der Vox-Sendung „Höhle der Löwen“ vorgestellt. Die männlichen Investoren waren begeistert, der Unternehmer Ralf Dümmel investierte dann tatsächlich. Es war, wie einem Autounfall zusehen. Und wütende Kommentare auf Social Media ließen nicht lange auf sich warten.

Die Periode ist in den Augen der Mehrheitsgesellschaft etwas unreines und schmutziges. Wir sprechen nicht darüber, Hygieneartikel werden hastig vor dem Toilettengang in der Hosentasche versteckt, in der Werbung für eben diese Artikel wird anstelle von Blut eine blau eingefärbte Flüssigkeit verwendet. Dieser künstlich aufgebauschte Ekel hat sich bei vielen menstruierenden Personen tief eingebrannt. Dieses Narrativ wurde durch „Pinky Gloves“ von Vox zur Hauptsendezeit nochmal geschürt – mit dem neuen Zusatz, dass man Blut am Finger tunlichst zu vermeiden hat.

Man sieht, alles was da rund um „Pinky Gloves“ passiert ist, war ein einziger sexistischer Totalausfall.

„Die Partei“ schockiert mit sexistischem „Pinky Gloves“-Posting

Da „Pinky Gloves“-Bashing gerade hipp ist, springt jetzt der Ortsverband Backnanger Bucht der Partei „Die Partei“ auf den Zug auf. Sie posteten am Sonntag (18.04.2021) ein Bild zum Thema „Damen-Hygienehandschuhe“, in denen der „Pinky Glove“ in verschiedenen Ausführungen angepriesen wird. Zum Beispiel als Fingerhandschuh, für Frauen die „fast zu eng zum f*cken“ sind. Dazu das Gegenteil: Ein Handschuh, der bis zum Schultergelenk hochgeht, für „Schlampen“. Ein weiteres Highlight, das Modell Lesben: Ein allen Widrigkeiten trotzender Arbeitshandschuh. Ohne etwas Homophobie kriegt man ja auch keine Likes mehr heutzutage. Kurzum: Es wird ein „lustiges“ Potpourri an sexistischen Abwertungen, die unsere Gesellschaft so zu bieten hat, reproduziert.

Einige Mitglieder, Ortsgruppen und -verbände von „Die Partei“ haben sich vom Post distanziert und den Bundesvorstand zum Löschen des Posts aufgerufen. Bisher wurde dem nicht nachgekommen.

Aber so ist das Leben als weiblich gelesene Person in einer sexistischen Gesellschaft. F*ckbar soll ich sein, Weite und Enge meiner Vagina im Auge behalten, über dumme, sexistische Posts von „Die Partei“ lachen, weil ich sonst als „frigide“ und „humorlos“ gelte. Und währenddessen packe ich meine ekelhafte, periodenbeschmutzte Vagina natürlich nur mit einem Handschuh an und lasse den Tampon darin diskret verschwinden, damit kein armer Mann ihn sehen muss.

Ergänzung: Der öffentliche Druck hat offensichtlich gewirkt. Das sexistische Posting des Ortsverbands Backnanger Bucht der Partei „Die Partei“ wurde am Sonntagabend (19.04.2021) noch entfernt und ist nicht mehr online. Nico Wehnemann, Stadtverordneter der Partei „Die Partei“ in Frankfurt, erklärt, warum er die Öffentlichkeit auf den sexistischen Post aus der eigenen Partei aufmerksam gemacht hat: „Ich hatte den Post auf Facebook und auf Twitter geteilt, nachdem einen kompletten Tag lang viele Menschen intern versucht hatten das löschen zu lassen. An die Öffentlichkeit bin ich dann gegangen, um den nötigen Druck aufzubauen, was auch nun geklappt hat.“

Die Partei „Die Partei“ ist in letzter Zeit häufiger wegen sexistischen und fragwürdigen Postings auf Social Media in die Kritik geraten. Nico Wehnemann sieht Handlungsbedarf: „Ich möchte nicht in einer Partei sein, die offen Sexismus lebt, reproduziert oder sonst wie dummen Müll ablässt. Der Bundesvorstand ist aufgefordert, endlich zu handeln bei solchen Themen und dafür zu sorgen, dass ‚Humor‘ aus dem letzten Jahrtausend keinen Platz mehr in unserer progressiven Partei hat.“ (Sonja Thomaser)

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