Gewalt gegen Frauen fällt in die Definition von innerer Sicherheit. Warum also ist nicht der Bundesinnenminister zuständig?
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Gewalt gegen Frauen fällt in die Definition von innerer Sicherheit. Warum also ist nicht der Bundesinnenminister zuständig?

Kommentar

Gewalt gegen Frauen: Opferschutz reicht nicht

  • Alicia Lindhoff
    vonAlicia Lindhoff
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Stellen wir uns für einen Moment vor, 149 Menschen in Deutschland wären 2019 bei Terroranschlägen gestorben. So viele Menschen, die meisten von ihnen Frauen, wurden Opfer von Partnerschaftsgewalt. Auch hier geht es um innere Sicherheit. Der Kommentar.

Warum ist es kein Skandal, dass innerhalb eines Jahres 149 Menschen Opfer von Partnerschaftsgewalt wurden - darunter 80 Prozent Frauen? Stellen wir uns für einen Moment vor, 149 Menschen in Deutschland wären 2019 bei Terroranschlägen gestorben. Die Presse wäre voll von Analysen dazu, wie die Gewalt unserem Land schadet und warum wir ihr keinen Einhalt gebieten.

Das ist etwas anderes, denken Sie jetzt - weil es bei Terror um die Innere Sicherheit geht? Nun, per Definition der Bundesregierung umfasst Innere Sicherheit „die Sicherheit der Bürger vor Terror, Gewalt und Verbrechen“. Also fällt auch Gewalt gegen Frauen darunter. Warum aber ist nicht der Bundesinnenminister zuständig?

Das hätte – bei allen berechtigten Zweifeln an der entsprechenden Kompetenz eines Horst Seehofers – zwei Vorteile: Das Thema würde nicht mehr nur unter dem Aspekt des Opferschutzes betrachtet. Die Täter rückten in den Blick – und die Frage, wie die Gewalt effektiver zu bekämpfen ist. Und sie würde mehr skandalisiert. Denn wo „Innere Sicherheit“ draufsteht, wandert erfahrungsgemäß auch die Aufmerksamkeit hin.

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