Wählen ab 16

Opakratie beenden

  • Karin Dalka
    vonKarin Dalka
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Die Reform des Wahlrechts kann ein Schub für die Demokratie sein und ist ganz sicher die richtige Botschaft an junge Leute.

Deutschland ist alt, und die Politik ist es auch. Das kann nur leugnen, wer sich noch nie in Ortsbeiräten, Stadtparlamenten, Landtagen und im Bundestag umgeschaut hat. Junge Leute sind dort wenig bis gar nicht vertreten. Keine Frage: Auch ältere Abgeordnete können die Interessen der Jungen vertreten, etliche tun es. Aber das reicht nicht. Denn die Demografie verschiebt die Wählergewichte immer weiter zu Gunsten der älteren Generationen. Heißt: Das Wahlvolk überaltert, und weil seine Repräsentantinnen und Repräsentanten das wissen, dominieren die Bedürfnisse und Interessen der älteren Generationen die politische Agenda.

„Opakratie“ nennt das der Publizist und Zukunftslobbyist, Wolfgang Gründinger. Klingt hart, ist aber leider wahr. Denn warum sonst ist dieses Land nicht schon längst viel weiter etwa bei der Digitalisierung und vor allem: viel konsequenter im Kampf gegen den Klimawandel?

Dass ihre Interessen allzu häufig unter den Tisch fallen, hat die junge Generation längst begriffen – zumindest der Teil, der sich mit der Rolle am Katzentisch der Politik nicht mehr zufrieden gibt. Die jungen Leute wissen, dass sie die Fehlentscheidungen und Versäumnisse von heute ausbaden werden. Deshalb sind die Fridays for Future so laut, deshalb sind sie so wütend.

Falsch wäre, daraus einen Generationenkonflikt zu machen. Die junge Klimabewegung etwa hat viele Mitstreiter und Mitstreiterinnen in der Generation ihrer Eltern und Großeltern. Verbündete, deren Erfahrung, Wissen und ungleich größeren gesellschaftlichen Einfluss die jungen Leute brauchen. Aber das allein reicht nicht. Denn endgültig vor einem Stoppschild stehen die Schülerinnen und Schüler beim Wahlrecht: Erst ab 18 Jahre! Jedenfalls bei Bundestagswahlen. Warum eigentlich?

Auf Kommunal- und auf Landesebene gibt es das Wahlrecht ab 16 teilweise schon. Es ist Zeit für den nächsten Schritt. Und spreche bitte niemand der Jugend die nötige Reife dafür ab! Wenn nur mit abstimmen dürfte, wer interessiert und informiert ist, wie viele Wählerinnen und Wähler müsste man dann wohl von den Urnen fernhalten!?

Die Reform des Wahlrechts kann ein Schub für die Demokratie sein. Ganz sicher wäre sie eine Botschaft an die jungen Leute: Politik will nicht mehr alt sein.

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