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Olympia 2022 in China: Warum wir trotz allem über die Spiele berichten

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Von: Thomas Kaspar

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Peking während Olympia 2022. Wie umgehen mit den Winterspielen in China?
Peking während Olympia 2022. Wie umgehen mit den Winterspielen in China? © Aly Song/rtr

Menschenrechtsverletzungen und Image-Politur und offene Propaganda: Es gäbe ausreichend Gründe, nicht über die Winterspiele in Peking zu berichten. Doch der Sport hat mehr verdient. Der FR-Kommentar.

Frankfurt - „Schneller, höher, stärker, gemeinsam“ – vergangenes Jahr hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) das antike Motto der Spiele ergänzt. Doch ein Adjektiv macht keinen Unterschied, dieser muss sich in der Haltung und müsste sich vor allem in Taten zeigen.

Haltung? Taten? Wenn morgen die 24. Olympischen Winterspiele in Peking beginnen, wird überdeutlich, dass hier das IOC kläglich versagt hat.

Olympia 2022: „Die Spiele hätten nie nach Peking vergeben werden dürfen“

Das Auslöschen der tibetischen Kultur, die Brutalität gegen die Demokratiebewegung in Hongkong, das Kasernieren der muslimischen Minderheit der Uiguren in Umerziehungslagern – angesichts der Systematik der Menschenrechtsverletzungen in China hätten die Winterspiele niemals nach Peking vergeben werden dürfen.

Olympia 2022 in China gleicht einem Szenario aus einem dystopischen Katastrophenfilm: Digitale Vollüberwachung, am Reißbrett entworfene Geistersportstätten ohne Publikum – die Kameras sollen in diesem Szenario perfekt inszenierte Bilder zeigen.

Der Blick hinter die schöne Kulisse von Olympia 2022 in Peking

Muss das nicht boykottiert werden? Darf die Frankfurter Rundschau darüber berichten? Wir sind der festen Überzeugung: Wir müssen!

Wo immer China mit den Spielen sein Image aufpolieren will, folgen wir nicht den offiziellen Regieanweisungen, sondern stellen unsere eigenen Scheinwerfer auf, ändern den Blickwinkel und berichten das gesamte Panorama. Dazu gehören sportliche Höchstleistungen. Aus Respekt vor den Aktiven wollen wir ihnen – trotz allem – Raum in der Zeitung geben; sie haben mit den Machenschaften des Regimes und des IOC nichts zu tun.

Olympia 2022: Der Sport hat Aufmerksamkeit verdient

Aber die große Bühne nutzen wir ebenso, um die Aufmerksamkeit auf andere Themen zu lenken. Sport bedeutet fairen Wettbewerb. Diesen Maßstab werden wir gerade auch auf die Veranstalter anwenden.

Thomas Kaspar, Chefredakteur

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