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An Changrim (Südkorea) im Judo-Viertelfinale gegen Tohar Butbul (Israel).
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An Changrim (Südkorea, weiß) im Judo-Viertelfinale gegen Tohar Butbul (Israel, blau).

Olympia 2021

Antisemitismus-Skandal im Judo: Die olympische Idee mit Füßen getreten

  • Thomas Kaspar
    VonThomas Kaspar
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Auch das ist Olympia 2021: Ein Algerier und ein Sudanese verweigern einen Judokampf gegen einen Israeli. Sie verschenken die Chance, eine friedliche Botschaft zu senden. Der Kommentar.

Frankfurt/Tokio - Wer auf eine Kampfsportmatte tritt, zollt vor dem Kampf seinem Gegner kurz Respekt. Das ist etwa beim Fechten und Ringen so, in der japanischen Philosophie der Budo-Sportarten, also bei Olympia Judo und Karate, bedeutet es noch wesentlich mehr.

Im Karate gibt es rein nach der Kernphilosophie keinen ersten Schlag. Karate, der Weg der Hand, ist grundsätzlich eine reine Verteidigungssportart. Wer lernt andere mit einer Bewegung zu töten, lernt zugleich die Fähigkeit mit dieser Energie umzugehen. Ohne Geist und Seele sind pure Kraft nur dumpfer Inhumanismus.

Olympia 2021: Auf der Matte gilt Respekt

Nicht als erster anzugreifen ist natürlich für olympische Wettkämpfe wenig geeinigt, weshalb sich die Bedeutung im Sport weiterentwickelt hat. Die Verbeugung am Rand der Matte steht dafür: In diesem kleinen, eng umgrenzten Raum gilt Fairness und Respekt. Es gelten strenge Regeln, die ein sportliches Messen ermöglichen.

Noch weiter gedacht, heißt es aber auch: Wenn du nicht da bist, kann ich nicht kämpfen. Angriff und Abwehr sind beides Energien, die nur zusammen eine Einheit bilden. Im größeren Sinne kämpfen nicht die Kontrahenten gegeneinander, sondern sie sind zusammen der Kampf, das Menschliche, das Leben an sich.

Olympia 2021

Die Olympischen Spiele in Tokio sind in vollem Gange. Alle Teilnehmer, der Zeitplan und sämtliche Termine zu Olympia 2021 im Überblick.

Die olympische Idee hat diesen friedlichen Wettstreit als Grundbedingung ins Programm geschrieben. Für wenige Wochen ruhen alle Waffen und Feindschaften und die Sportlerinnen und Sportler aus den Nationen begegnen sich. Sie bilden gemeinsam die Welt mit ihrer menschengemachten Einteilung in Nationen ab. Wie fragil das ist, zeigen in Tokio die Sportler in der Gruppe der Geflüchteten, die keinen Halt mehr in dieser Ländereinteilung gefunden haben.

Olympia 2021: Chance verschenkt, eine friedliche Botschaft zu senden

Wenn sich nun der Sudanese Mohamed Abdalrasool und der Algerier Fethi Nourine im Judo nicht gegen den Israeli Tohar Butbul messen wollen, treten sie mit ihrem unverhohlenen Antisemitismus nicht nur die olympische Idee mit Füßen. Sie haben schlicht die Grundidee der Sportart nicht verstanden und haben darin nichts verloren. Und sie verschenken die einmalige Chance, eine friedliche Botschaft zu senden. Jenen, die etwa auf das Leid der unterdrückten Palästinenser in Israel hinweisen wollen, erweisen sie damit einen Bärendienst.

Der Boykott der Olympischen Spiele in den USA und der damaligen Sowjetunion hat die olympischen Spiele schon mehrfach entwertet. Wenn die Systeme sich schon messen wollen, sollen sie das gern in den Hallen und Arenen tun – friedlich und nach Regeln.

Olympia kann positive symbolische Geschichten schreiben, etwa die des Iraners Javad Foroughi, der sich die Hochachtung aller verdient hat, weil er die Goldmedaille mit der Luftpistole errungen hat. Es ist nicht nur die Geschichte der kleinen Länder, die den riesigen Sportnationen mit Können einen Sieg abringen. Der gläubige Muslim rollte selbstverständlich nach dem Gewinn seinen Gebetsteppich aus. So sehen echte Botschafter aus. (Thomas Kaspar)

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