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Thunberg hakt Klimagipfel in Ägypten ab – bevor er begonnen hat

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Von: Joachim Wille

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Klimaaktivistin Greta Thunberg wird nicht nach Kairo zum Klimagipfel reisen.
Klimaaktivistin Greta Thunberg wird nicht nach Kairo zum Klimagipfel reisen. © Yui Mok/dpa

Beim Klimagipfel in Ägypten muss der Umweltschutz vorankommen. Sonst ist es bald zu spät. Der Leitartikel.

Greta Thunberg bleibt zu Hause. Der Klimagipfel in Ägypten findet ohne sie statt. Stattdessen macht die schwedische Klima-Aktivistin, die 2018 mit ihrem Schulstreik die weltweit aktive „Fridays for Future“-Bewegung gründete, Werbung für ihr „Klima-Buch“. Einen 500-Seiten-Wälzer, in dem alles steht, was man zum Thema wissen muss.

Sie und ihre renommierten Co-Autorinnen und -Autoren aus Wissenschaft, Management und Umweltschutz, legen darin eine Anleitung für eine bessere, CO2-neutrale Welt vor, die zwar einen Klimawandel, aber keine Klimakastrophe erlebt. „Hört auf die Wissenschaft, bevor es zu spät ist“, sagt die heute 19-Jährige.

Klimagipfel in Ägypten - ohne Greta Thunberg

Ein Appell wohl auch in Richtung des ägyptischen Scharm El-Scheich, wo die UN-Konferenz tagt. Greta Thunberg hat sie schon abgehakt. Sie erklärt: Die Klimagipfel, die COPs, seien „nicht wirklich dazu gedacht, das ganze System zu ändern“. Sie führten allenfalls zu Trippelschritten in die richtige Richtung. „So wie sie sind, funktionieren die COPs nicht“, urteilt die Aktivistin. Sie taugten allenfalls als Gelegenheit zur Mobilisierung der Öffentlichkeit. Doch die Möglichkeiten dazu seien gerade auf diesem Gipfel durch die Regierung in Kairo extrem eingeschränkt.

Natürlich hat Thunberg recht. Die UN-Konferenzen werden das Klima nicht retten, zumindest nicht alleine. Und Scharm El-Scheich droht, unter dem Eindruck der Putin-Energiekrise, ein besonders drastisches Beispiel dafür zu werden.

Die 30-jährige Geschichte des internationalen Klimaschutzes seit dem UN-Erdgipfel in Rio de Janeiro 1992 sind kein Ruhmesblatt. In Rio beschloss die Weltgemeinschaft, das Klimasystem auf einem ungefährlichen Niveau zu stabilisieren. In Kyoto versprachen die Industrieländer 1997, die Emissonen zu reduzieren. In Paris legten die Länder 2015 fest, die Erwämung solle bei 1,5 Grad gestoppt werden. Inzwischen ist klar: Die 1,5 Grad werden bald schon zeitweise erreicht werden und wohl schon im Laufe des nächsten Jahrzehnts dauerhaft überschritten sein.

Gipfel in Ägypten: Klimakrise verursacht immer größere Schäden

Die Bilanz ist, gemessen an den Zielen, verheerend. Daran gibt es nichts zu deuteln. Auf der Konferenz in Ägypten wird das eines der Hauptthemen sein – obwohl es ursprünglich nicht so geplant war. Der Grund: In diesem Jahr hat sich noch stärker als früher schon gezeigt, dass das Klima bereits heute, bei 1,1 bis 1,2 Grad Erwärmung, außer Rand und Band ist.

Die Klimakrise verursacht immer größere Schäden: Hitzewellen und Dürren gab es von Europa über die USA bis China. Noch schlimmer aber traf es Entwicklungsländer im Süden.
Die Klimakrise verursacht immer größere Schäden: Hitzewellen und Dürren gab es von Europa über die USA bis China. Noch schlimmer aber traf es Entwicklungsländer im Süden. © Imago (Archiv)

Die Klimakrise verursacht immer größere Schäden. Die Nordhemisphäre war von Hitzewellen und Dürren betroffen, von Europa über die USA bis China. Noch schlimmer aber traf es Entwicklungsländer im Süden. Am verheerendsten war es in Pakistan, mit Überflutungen auf rund einem Drittel der Landesfläche, rund 1500 Menschen starben.

Das Thema „Loss and Damage“ (Verluste und Schäden) drängt damit nach vorne auf die Agenda. Dabei geht es um finanzielle Unterstützung für Länder, die durch solche zumindest auch vom Klimawandel ausgelösten Katastrophen getroffen werden. Bisher scheuen die reichen Industrieländer davor zurück, ihrer historischen Verantwortung als Treibhauseinheizer seit 150 Jahren gerecht zu werden und Geld dafür bereitzustellen.

Klimagipfel in Äqypten: Gigantische CO2-Schulden in der Atmosphäre

Auf dem Gipfel dürfte trotzdem über das Thema verhandelt werden, zumindest will der neue UN-Klimachef Simon Stiell es auf die Tagesordnung hieven. Sogar die USA, bisher Bremser, scheinen umzudenken. Ihr Klima-Emissär John Kerry räumte ein, die Schäden in Entwicklungsländern seien bereits groß, und sagte, alle seien entschlossen, bei dem Hilfethema „einen Fortschritt zu erzielen“.

Das ist ein Lichtblick, wenn auch keine Garantie, dass schnell substanzielle Finanzmittel für „Loss and Damage“ fließen. Die Industrieländer befürchten in Erwartung eskalierender Schadenszahlen, dass es ein Fass ohne Boden wird, wenn sie hier nachgeben. Noch komplizierter wird es dadurch, dass die Industriestaaten forden, auch reiche Schwellenländer wie China und Saudi-Arabien müssten sich finanziell beteiligen, da sie inzwischen ebenfalls gigantische CO2-Schulden in der Atmosphäre aufgehäuft haben. Die lehnen das ab.

Ähnlich schwierig läuft es bei den beiden anderen Themen des globalen Klimaschutzes – den nationalen Plänen zur Senkung der CO2-Emissionen sowie den Klimahilfen für die Entwicklungsstaaten, die in saubere Energie und Anpassung fließen sollen.

Klimagipfel in Ägypten: versprochene Hilfen der EU kommen nicht

Beim letzten Gipfel in Glasgow wurde beschlossen, dass alle Regierungen verbesserte CO2-Pläne einreichen sollen. Doch nur 24 der fast 200 Staaten haben das getan, selbst die Vorreiterin EU hat einen nachgeschärften Plan bis nach dem Gipfel verschoben.

Und wie sieht es bei den Hilfen aus? Ebenfalls Fehlanzeige. Jüngste Bilanzen zeigen: Die von den Industriestaaten bereits 2009 versprochenen und in Glasgow beschworenen 100 Milliarden US-Dollar jährlich werden wieder nicht erreicht.

Schon richtig, vor einem Jahr konnte niemand wissen, dass ein Ukraine- und Energiekrieg alles beherrschen würde. Trotzdem hat Greta eben recht: Wenn wir so weitermachen, ist es wirklich bald zu spät. (Joachim Wille)

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