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Sieht aus wie eine Text-Bild-Schere, ist aber keine: Bei der CDU endet für erste die Zeit der Frauen. Annegret Kramp-Karrenbauer verlässt das Konrad-Adenauer-Haus, Angela Merkels Kanzlerschaft neigt sich ihrem Ende zu.
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Sieht aus wie eine Text-Bild-Schere, ist aber keine: Bei der CDU endet für erste die Zeit der Frauen. Annegret Kramp-Karrenbauer verlässt das Konrad-Adenauer-Haus, Angela Merkels Kanzlerschaft neigt sich ihrem Ende zu.

Leitartikel

Nur Männer

  • Anja Maier
    VonAnja Maier
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Die CDU war nie etwas anderes als eine Männerpartei. Es endet also keine Ära der Gleichstellung, wenn beim Parteitag Merz, Laschet oder Röttgen zum Vorsitzenden gewählt wird. Der Leitartikel von Anja Maier.

Wenn die 1001 Parteitagsdelegierten ihren neuen Vorsitzenden wählen, beginnt nicht nur ein neues Kapitel in der Geschichte der CDU. Es endet auch die Zeit der Frauen. Annegret Kramp-Karrenbauer verlässt das Konrad-Adenauer-Haus, Angela Merkels Kanzlerschaft neigt sich ihrem Ende zu.

Mit Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen streben drei Männer aus Nordrhein-Westfalen den Parteivorsitz an. Der CDU-Chef ist Anwärter auf die Kanzlerkandidatur. Möglich ist aber auch, dass Markus Söder oder Jens Spahn Kanzlerkandidat der Union werden könnten. Damit läge dann die Führung der Union vollständig in den Händen von Männern.

Damit endet mitnichten eine gleichstellungspolitische Ära bei den Konservativen. Die CDU war nie etwas anderes als eine Männerpartei. Angela Merkel, die stets als Beweis für Geschlechtergerechtigkeit herhalten musste, war 1998 ursprünglich als eine Art Trümmerfrau angetreten. Sie übernahm in einem Moment größter Unordnung die Parteiführung. Vorsitzende bleiben sollte sie nur so lange, bis Gras über den CDU-Spendenskandal gewachsen war und einer der bestens vernetzten Parteigranden reif fürs Kanzleramt sein würde. Es kam bekanntlich anders.

Auch Annegret Kramp-Karrenbauer ist nach vorn gegangen, als niemand ein Stück Brot von der CDU angenommen hätte. 2018 war das Jahr, in dem in Berlin mit Ach und Krach eine große Koalition zusammengeschustert worden war. Im Parlament saß erstmals die rechtspopulistische AfD als stärkste Oppositionsfraktion, was wiederum bei CDU und CSU zu hitzigen Diskussionen über den politischen Kurs führte.

Innenminister Horst Seehofer drohte in der Geflüchtetendebatte mit Rücktritt. Die Wählerschaft quittierte den Zoff mit schlechten Umfrage- und Wahlergebnissen. Nach der Hessen-Wahl gab Merkel ihr Parteiamt ab.

Dass dann beim Parteitag 2018 Annegret Kramp-Karrenbauer die Stichwahl mit 51,75 Prozent gegen Friedrich Merz gewann, war kein Triumph. Zu verdanken hatte AKK diesen Herzschlagsieg den Frauen ihrer Partei. Ohne die gut vernetzte Frauen-Union, die knapp ein Drittel der Delegierten stellt, hätte das nie und nimmer geklappt.

Um so irritierender, dass sich bei der nächsten Vorsitzendenwahl in der Riesenpartei CDU nicht eine einzige Frau gefunden hat, die sich den Vorsitz zutraut. Das hat mehrere Gründe. Zum einen fehlt die politische Kultur. Für eine CDU-Frau, die sich ein Amt zutraut, stehen drei Männer bereit, die sie anschließend bekämpfen würden. Schafft sie es dennoch, tut sie so, als sei ihr Geschlecht Nebensache. Selbst Merkel hat stets vermieden, sich auf ihre Vorbildrolle als Frau festlegen zu lassen – dies hätte Schwäche signalisiert.

Zum Zweiten ist die parteiinterne Struktur unattraktiv. Mitglied der Frauen-Union wird man automatisch, Frauen müssen das nicht einmal wollen. Und: Sich hier zu engagieren, schützt nicht vor Angriffen. Zudem: Unter jüngeren Christdemokratinnen umweht die Frauen-Union ein Hauch von Kaffeefahrt. Es gehört in der Jungen Union zum guten Ton, gegen eine verbindliche Frauenquote zu sein.

Immerhin scheint mittlerweile auch der Letzte in der Partei verstanden zu haben, dass Frauen nicht länger die CDU wählen, wenn diese weder Macht- noch Gestaltungsoptionen anbieten kann – ja, nicht einmal sichtbar sind. Selbst die Junge Union schickt diesmal drei ihrer Frauen ins Rennen für den erweiterten Bundesvorstand.

Und ein lange und hart umkämpfter Antrag der Struktur- und Satzungskommission sieht von 2021 an eine Anhebung der Frauenquote auf 50 Prozent bis 2025 vor. Leider ist wegen der Corona-Pandemie die Zeit zu knapp, darüber beim Parteitag abzustimmen. Gleichstellungspolitisch wartet auf den neuen Vorsitzenden viel Arbeit.

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