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Chemie-Nobelpreis für Genschere: Die Entdeckung kann zur Büchse der Pandora werden

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Die Entdeckung der Chemie-Nobelpreisträgerinnen ist weltbewegend. In skrupellosen Händen kann dieses Werkzeug aber auch zur gefährlichen Büchse der Pandora werden. Der Kommentar.

  • Die Chemie-Nobelpreisträgerinnen revolutionierten die Genforschung.
  • Ihre Nobelpreis-Entdeckung trug maßgebend zur Revolution der Lebenswissenschaften bei.
  • Die Entwicklung der Genschere kann in falschen Händen auch eine Gefahr werden.

Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna haben Großes entdeckt, Weltbewegendes auf molekularer Ebene – und sind damit des Nobelpreises mehr als würdig; zweifelsohne. Die Frage ist eher, was die Menschheit macht mit diesem „scharfen Werkzeug“, wie es das Nobelkomitee nennt. Dabei ist der Grad zwischen einer segensreichen und einer ethisch fragwürdigen Nutzung schmal. Die Genschere könnte das Leid von Millionen Menschen verhindern oder zumindest lindern, wenn sich durch ihr Wirken Erbkrankheiten ausschalten und Tumore zerstören ließen. Oder wenn durch ihren Einfluss Pflanzen Dürre und Hitze trotzen könnten.

Mit der Genschere lässt sich Erbgut gezielt verändern.

Genschere: Entdeckung des Nobelpreises kann gefährlich werden

Doch in skrupellosen Händen kann dieses Werkzeug auch zur gefährlichen Büchse der Pandora werden. So sorgte vor zwei Jahren ein chinesischer Forscher für Entsetzen, als er zwei Embryonen mit Hilfe der Genschere genetisch manipulierte. In einem Protestbrief schrieben Kollegen damals, die potenziellen Risiken und Schäden für die gesamte Menschheit durch einen missbräuchlichen Einsatz des Verfahrens seien unermesslich.

Andererseits gibt es auch Studien, die auf mögliche Grenzen der Genschere beim Menschen hinweisen, etwa durch unerwünschte Immunreaktionen. Für eine sichere und ethisch vertretbare Anwendung ist eine fundierte Risiko-Nutzen-Bewertung deshalb elementar. Wofür die Genschere in den nächsten Jahrzehnten eingesetzt wird und welches Potenzial sie tatsächlich besitzt – das ist im Moment noch völlig ungewiss.

Rubriklistenbild: © HENRIK MONTGOMERY/afp

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