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Michael Blume
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Michael Blume, Antisemitismusbeauftragter des Bundeslandes Baden-Württemberg, im März 2018. (Archivfoto)

Kommentar zu Michael Blume

Antisemitismus-Vorwürfe gegen Antisemitismus-Beauftragten: Ein Angriff, der am Ende den Falschen hilft

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Ein Antisemit als Antisemitismus-Beauftragter? Wem tun die „Nazijäger“ des Simon-Wiesenthal-Zentrums damit einen Gefallen? Womöglich, wenn auch ungewollt, dem Antisemitismus. Ein Kommentar.

Wer sich dem Kampf gegen Antisemitismus verpflichtet fühlt, kann ohne Übertreibung sagen: So sehen Tragödien aus. Eine weltweit bekannte Institution, benannt nach dem Holocaust-Überlebenden und „Nazijäger“ Simon Wiesenthal, bezichtigt ausgerechnet einen hochgeschätzten Antisemitismus-Beauftragten des Antisemitismus. Dort, wo der Antisemitismus tatsächlich seine Blüten treibt – vor allem, wenn auch nicht nur am rechten Rand des ideologischen Spektrums –, wird man sich herzlich ins Fäustchen lachen.

Michael Blume, Religionswissenschaftler und Antisemitismus-Beauftragter des Landes Baden-Württemberg, taucht auf Platz sieben der „Global Antisemitism 2021 Top Ten“ auf, die das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles in der Nacht zum Mittwoch (29.12.2021) veröffentlicht hat. Was hat er getan? Schwer zu sagen, denn zentrale Vorwürfe werden in der Begründung des Zentrums nicht belegt. Und schon darin liegt der Bärendienst, den die Erbinnen und Erben des 2005 verstorbenen Simon Wiesenthal dem Kampf gegen Antisemitismus leisten.

Plumper Antisemitismus-Vorwurf gegen Michael Blume

Relativ konkret werden sie nur dort, wo sie Blume das vorwerfen, was er nicht getan hat: Er habe die Stadt Freiburg nicht aufgefordert, die Städtepartnerschaft mit dem iranischen Isfahan zu beenden. Und er habe die Landesbank Baden-Württemberg nicht gedrängt, dem Palästina-Komitee Stuttgart das Konto zu kündigen, obwohl das Komitee die gegen Israel gerichtete Boykottbewegung BDS (Boycot, Desinvestment, Sanctions) unterstütze.

Errichtung einer Gedenk-Stele für die Opfer des Holocaust mit Michael Blume.

Beide Themen wären eine Diskussion durchaus wert: Muss eine Partnerschaft mit einer Stadt, deren Regierung laut Wiesenthal-Zentrum „jedes Jahr Aufrufe zur Vernichtung Israels unterstützt“, beendet werden? Oder könnten Kontakte auf kommunaler Ebene gar zu einer Aufweichung politischer Fronten führen? Hat es nicht eine friedensfreundliche Symbolik, dass zu Freiburgs Partnerstädten auch das israelische Tel Aviv-Yafo gehört?

Spannende Fragen, in der Tat. Die aber gerade nicht produktiv gestellt, sondern unter dem plumpen und ohne Argumente erhobenen Vorwurf geradezu begraben werden, es sei antisemitisch, diese Partnerschaft nicht zu verhindern.

Was BDS betrifft, sollte auch dem Simon-Wiesenthal-Zentrum die seit Jahren tobende Debatte über die Boykottbewegung nicht entgangen sein: Immer wieder wird der Vorwurf des Antisemitismus erhoben (und auf Teile der Bewegung trifft er wahrscheinlich auch zu), immer wieder wird aber auch vor einer pauschalen Verurteilung von BDS gewarnt.

Es ist dem Simon-Wiesenthal-Zentrum nicht vorzuwerfen, dass es in dieser Frage die erstere Position bezieht. Aber jemanden als Antisemiten anzuprangern, weil er BDS angesichts dieser Debattenlage nicht mit allen administrativen Mitteln pauschal bekämpft, sondern wie Blume „nur“ scharf kritisiert – das stellt einen Missbrauch des Antisemitismus-Vorwurfs dar, der den notwendigen, gemeinsamen Kampf gegen Antisemitismus nur schwächen kann.

Antisemitismus-Vorwurf gegen Michael Blume befeuert Streit

So viel zu dem, was Blume nicht getan hat. Aber was hat er getan? Das Wiesenthal-Zentrum schreibt, er habe einmal auf Facebook einen Post „geliked“, der „Zionisten mit Nazis verglichen“ habe. Danach – Blume ist 2019 wegen ständiger Hassattacken bei Facebook ausgestiegen – habe er „antijüdische, antiisraelische und konspirative“ Twitter-Accounts geteilt und mit Likes versehen.

Welcher Post war das auf Facebook? Um welche Twitter-Accounts geht es? Dazu sagt das Simon-Wiesenthal-Zentrum nichts, es liefert keine Belege. Es befeuert also, wenn auch sicher ungewollt, den Streit unter denjenigen, die sich gemeinsam dem Kampf gegen Antisemitismus zu widmen hätten. Das ist die Tragödie, über die sich Antisemitinnen und Antisemiten so herzlich ins Fäustchen lachen dürften. (Stephan Hebel)

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