Christine Lambrecht.
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Justizministerin Christine Lambrecht.

Kommentar

Sexualisierte Gewalt: Warum härtere Strafen der falsche Ansatzpunkt sind

  • Ruth Herberg
    vonRuth Herberg
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Härtere Strafen alleine werden sexuelle Gewalt nicht verhindern. Es muss deutlich mehr für Vorbeugung getan werden – etwa durch mehr Personal in Jugendämtern. Der Kommentar.

Von „aller Kraft“, mit der Justizministerin Lambrecht gegen sexuelle Gewalt gegen Kinder vorgehen will, kann keine Rede sein. Härtere Strafen sind der falsche Ansatzpunkt. Der Fall Lügde hat gezeigt, dass es sie schon gibt. Und dass eine drohende lange Haft abschreckend wirkt, ist sowieso umstritten.

Der Handlungsdruck besteht darin, an allen Stellschrauben zu drehen – nicht nur an den einfachen. Es geht um Prävention. Menschen mit pädophilen Neigungen werden nicht automatisch straffällig – das berichten Therapierende immer wieder.

Hier gilt es anzusetzen: Die meisten vorbeugenden Initiativen sprechen potenzielle Opfer und deren Eltern an. Das ist wichtig, parallel dazu müssen allerdings viel mehr niedrigschwellige Angebote für potenzielle Straffällige etabliert werden. Auf der anderen Seite muss beim kleinsten Hinweis auf eine drohende Straftat endlich sichergestellt sein, dass Schulen, Jugendämter und Behörden gut zusammenarbeiten. Mangelnde Kooperation und fehlende gemeinsame Standards führen oft dazu, dass die eine Stelle nicht weiß, was die andere macht – und am Ende nichts passiert.

Es geht um bessere Ausstattung und mehr Personal, sprich: mehr Geld. Aber dieses Geld ist gut angelegt – weil es hilft, sexuelle Gewalt zu verhindern.

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