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Leitartikel

Markus Söder gegen Armin Laschet: Das Duell der Populisten

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Armin Laschet und Markus Söder sind nicht nur Gegner im Rennen um die Kanzlerkandidatur der Union. Sie haben auch einen gemeinsamen Fehler. Der Leitartikel.

Für alle, denen der Machtkampf in den Unionsparteien auf die Nerven geht, gibt es eine gute Nachricht: Unabhängig vom Ausgang hat das Rennen um die Kanzlerkandidatur schon jetzt erfreulich klar gezeigt, mit welchen Mitteln die Aspiranten das Erbe von Angela Merkel zu verwalten gedenken. Es sind, wenn auch auf unterschiedliche Weise, die Handwerkszeuge des Populismus. Leider.

Der noch amtierenden Kanzlerin ist politisch vieles vorzuwerfen. Dass die Lage Deutschlands in Fragen wie dem Klimaschutz, der Digitalisierung, der Bildung, der sozialen Gerechtigkeit oder dem Umgang mit Migration dem glänzenden Image der scheidenden Regierungschefin nicht standhält, ist auch an dieser Stelle oft genug erläutert worden. Aber solche Nachlassverwalter hat sie nicht verdient, egal, wer es wird.

Anticharismatiker Armin Laschet und Bienenschützer Markus Söder eint ihr Populismus

Wieso Populismus? Der Begriff scheint so gar nicht zu dem Bild zu passen, das Armin Laschet und Markus Söder auf den ersten Blick abgeben. Der Bayer entschieden im Handeln, klar und verständlich in der Sprache, noch dazu gewandelt vom Rechtsausleger zum Bienenschützer – ganz unverständlich ist es nicht, dass Söders Image in Umfragen fast maximale Flughöhe erreicht. Auf der anderen Seite Laschet, der bedächtige Anticharismatiker, solide verankert in der eigenen Partei, wenn auch ohne die Macherattitüde, nach der es in diesen Zeiten offenbar ein gesellschaftliches Bedürfnis gibt.

Kämpfen beide um die Kanzlerkandidatur der CDU: Armin Laschet (links) und Markus Söder.

Es ist nicht von vornherein verwerflich, wenn sich in der Öffentlichkeit solche Zuschreibungen ausbilden und für den Moment verfestigen. Und es ist daran auch nicht alles falsch. Aber es kann nicht schaden, auch mal die Perspektive zu erweitern und die Karten, mit denen die Konkurrenten pokern, noch etwas genauer zu betrachten. Und das führt zu den unterschiedlichen Spielarten des Populismus.

Markus Söder verweist im Kanzler-Rennen mit Armin Laschet auf Umfragen

Zunächst CSU-Chef Söder: Der Spielzug, mit dem er sich in den vergangenen Tagen im Wettbewerb gehalten hat, könnte direkt dem Regelwerk populistischer Politik entnommen sein, wenn es das denn gäbe, – oder auch einem Handbuch des Trumpismus, Abschnitt „Ich und das Volk gegen die Elite“. Darin würde beschrieben, wie man so tut, als würde man gemeinsam mit dem Volk denen da oben (von denen man in Wahrheit einer ist) mal zeigen, wo der Hammer hängt.

Bei Trump war das die Masche, sich noch aus dem Weißen Haus in Washington als Vorkämpfer des wahren Volkes gegen das Establishment in der Hauptstadt zu stilisieren. Bei Söder geht das, natürlich ein paar Nummern kleiner, so: Die Gremien der CDU, das sind die Abgehobenen an der Spitze, die die wahren Wünsche der Basis nicht mehr kennen. Das (Partei-)„Volk“ aber steht, beglaubigt durch die Umfragewerte, an der Seite seines Tribuns: Markus Söder.

Armin Laschet stand im Gegensatz zu Markus Söder früh für Integration

Bei allem Verständnis für Kritik an verkrusteten Strukturen und für die Sympathien, die dem Bayern im Kontrast zu Laschet gerade zufliegen: Wer so ins Kanzleramt käme, wäre nicht gerade ein Garant für Berechenbarkeit, von einer verlässlichen politischen Haltung zu schweigen. Für alle, die jetzt auf den schwarz-grünen Klimaschützer aus Nürnberg hoffen: Wer sagt, dass der Mann die Wende rückwärts nicht ebenso beherrscht wie die Wende vorwärts, wenn es gerade zur Stimmung passt?

NameArmin LaschetMarkus Söder
ParteiCDUCSU
Vorsitzender seit20212019
AmtMinisterpräsident NRWMinisterpräsident Bayern

Das Stichwort Stimmung führt direkt zu Armin Laschet. Ihm wurde lange vor seinem Aufstieg zum nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten und dann zum CDU-Vorsitzenden immerhin auf einem Feld Haltung und Standfestigkeit nachgesagt: In der Integrationspolitik vertrat er schon früh eine für die Verhältnisse dieser Partei fortschrittliche Richtung.

Armin Laschet und Markusd Söder: Zwei haltungsarme Männer mit Hang zum Populismus:

In jüngster Zeit dagegen wurde der Katholik aus Aachen vor allem für seine Fähigkeiten als Vermittler, als ruhender Pol mit fester Verwurzelung in den Grundwerten der CDU gelobt. Aber in der Corona-Krise kam auch bei ihm der Stimmungspolitiker durch: Noch wenige Wochen vor der österlichen Eingebung namens „Brücken-Lockdown“ versuchte sich Laschet in opportunistischer Anbiederung an den Überdruss des freiheitsbeschränkten Volkes: „Wir können unser ganzes Leben nicht nur an Inzidenzwerten abmessen.“

Nicht dass das grundsätzlich falsch wäre. Aber bei Laschet handelte es sich allzu offensichtlich um ein populistisches Manöver zum Einfangen von ein paar „Querdenkern“, wie wir seit seiner Wende rückwärts zur Corona-Politik der Härte wissen.

Zwei haltungsarme Männer mit Hang zum Populismus: Wer den Unionsparteien aus guten inhaltlichen Gründen fernsteht, mag dieses Desaster gleichgültig betrachten. Aber das wäre ein großer Fehler. Wenn sich die größte Partei Deutschlands und ihre kleinere Schwester ein Duell der Populisten liefern, ist das ein Armutszeugnis für die politische Kultur des ganzen Landes. (Stephan Hebel)

Rubriklistenbild: © Malte Ossowski/imago

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